Pro & Contra : Brauchen Berlins Schulen Soforthilfe gegen die Gewalt?

Was soll wegen der Gewalt an Berlins Schulen geschehen? Eine Diskussion

Sigrid Kneist

Pro

Es ist leider eine traurige Tatsache, dass die Schulen heute mit Problemen fertig werden sollen, die sie nicht verursacht haben und nicht lösen können. Sie sollen reparieren, wo andere versagt haben. Etwa Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nicht wahrnehmen und ihren Kindern bestimmte Grundwerte nicht mehr vermitteln, so dass ein friedliches Miteinander an der Schule nicht möglich ist. Wenn Gewalt an manchen Bildungseinrichtungen zum Alltag gehört, dann darf die Gesellschaft das nicht hinnehmen. Vor allem dürfen Schulen und Lehrer nicht allein gelassen werden. Der Senat hat ja inzwischen nach vielen Gewaltexzessen erkannt, dass Sozialarbeiter oder Psychologen gebraucht werden. In anderen Ländern ist dies ohnehin seit Jahren Standard. Aber mit der flächendeckenden Umsetzung dieses Programms will man sich in Berlin wieder einmal Jahre Zeit lassen. Nur dort, wo die Probleme besonders augenfällig sind, an den Hauptschulen, soll sofort geholfen werden. Alle anderen müssen warten. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Dabei sind die Probleme auch heute nicht nur auf diese eine Schulform beschränkt. Das müsste dem Bildungssenator hinreichend bekannt sein. Handlungsbedarf besteht genauso an vielen Grundschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien. Das gilt längst nicht nur in sogenannten sozialen Brennpunktgebieten. Alle Schulen brauchen Unterstützung. Und zwar sofort. Die Spätfolgen des Abwartens würden auf jeden Fall sehr viel teurer. Sigrid Kneist

Contra

Seltsam: Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Berliner Polizei mit weniger Beamten einen guten Job machen kann und die Berliner Feuerwehr auch. Wer Berliner Behörden kennt, weiß, dass die Zahl der Beamten und Angestellten nicht jährlich wachsen muss, damit die Verwaltung verwaltet. Im Gegenteil: Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die Beamtenschaft mit der unerhörten These konfrontiert, man könne sie zum Beispiel mit dem öffentlichen Dienst der Stadt Hamburg vergleichen und daraus Schlüsse ziehen. Kurzum: Man kann am Personal sparen, ohne den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung und ein Verwaltungvakuum zu riskieren. Nur für die Schulen gilt das nicht. Bei den Schulen gilt das aus den 60er und 70er Jahren überlieferte Gesetz noch immer. Es gibt Probleme? Dann brauchen wir Personal. Damit das klar ist: Die Zustände an vielen Berliner Schulen sind unschön, und viele Lehrer haben heute einen harten Job. Das hat aber zu einem nicht geringen Teil damit zu tun, dass sie den Job vieler Eltern mitmachen müssen. Warum sollen eigentlich die Eltern und Schüler, denen die Zustände an ihren Schulen nicht gleichgültig sind, mittelbar dafür bezahlen, dass sie sich kümmern und an Regeln halten? Wer den größten Krawall macht, bekommt am schnellsten zwei Psychologen? So sollte es nicht laufen. Es wird Zeit zu akzeptieren, dass es Eltern und Schüler gibt, denen Schule nichts bedeutet. Die Folgen tragen sie zuerst mal selbst. Werner van Bebber

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