Pro & Contra : Braucht Berlin ein Mahnmal für getötete Bundeswehrsoldaten?

Verteidigungsminister Jung und Bundestagsabgeordnete wollen ein Denkmal für getötete deutsche Soldaten. Braucht Berlin ein solches Mahnmal?

PRO



Es sind 65. So viele Soldaten sind seit 1990 bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr getötet worden. Sie starben für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland, ihre Einsätze wurden vom Bundestag beschlossen. Sie starben bei riskanten Hilfseinsätzen, sie starben durch Terroristenhand.

Wer hätte gedacht, dass es in so wenigen Jahren so viele waren? Schon deshalb ist ein zentrales Ehrenmal der Bundeswehr sinnvoll. Zu mahnen, dass der Beruf riskanter ist als der des Arztes oder Architekten. Das Ehrenmal kann der Öffentlichkeit zeigen, wie riskant die Verteidigung von Freiheit und Demokratie ist, dies wird gerne vergessen. Derzeit sind über 6000 Soldaten in Krisengebieten wie Afghanistan oder dem Balkan.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat jetzt angekündigt, dass mit dem Bau noch in diesem Jahr begonnen wird. Das Ehrenmal soll an alle 2600 Soldaten erinnern, die seit Gründung der Bundeswehr 1956 im Dienst starben. Jung will das Denkmal am Bendlerblock errichten, seinem Berliner Dienstsitz. Das ist ein Fehler. Der Bendlerblock ist schon genug historisch belastet. Dort wird an das gescheiterte Attentat auf Hitler erinnert, dort sind einige der Widerständler erschossen worden. Das Ehrenmal für die Bundeswehrsoldaten gehört in die Nähe des Parlamentes, des Ortes also, an dem die Auslandseinsätze beschlossen wurden. Wer das Ehrenmal mit dem Soldatenkult der Nazis vergleicht, hat nichts begriffen. Von Jörn Hasselmann


CONTRA

Zwei Gründe sprechen gegen ein Denkmal für Bundeswehrsoldaten, die bei Einsätzen im Ausland ums Leben gekommen sind. Das eine liefert der Bundesverteidigungsminister selbst: Er gibt zwar Auskunft, wenn ein Angehöriger der regulären Truppe stirbt, schweigt aber, wenn es um das Komman- do Spezialkräfte (KSK) geht. Kommt ein Soldat aus dieser Einheit bei seiner heiklen Mission in Afghanistan ums Leben, dürfte höchstens bekannt werden, dass er starb. Über das Wie und Warum aber wird die Öffentlichkeit nichts erfahren - so dass nur einer, nämlich der Minister, beurteilen kann, ob der tote Soldat ein ehrenvolles Gedenken verdient oder nicht. Man muss sich nicht auf Leute wie Murat Kurnaz verlassen, um sich vorzustellen, unter welchen Umständen KSK-Soldaten in sehr geheimnisumwitterten Teilen der Welt unterwegs sind - es reicht der Blick auf die Nachrichten über den Irakeinsatz der Amerikaner. Der zweite Grund hat mit der deutschen Geschichte zu tun: Das Soldatengedenken erfordert Pathos - noch der schlichteste "Heldenfriedhof" wirkt wie ein Ort, an dem es um die Überhöhung des Todes geht. Vielleicht ist das ja alles, was von einem Soldatentod bleibt, doch haben die Deutschen mit pathetischen Gefühlen im Kollektiv und vor allem mit deren Darstellung nie gut ausgesehen. Ganz gewiss soll man sich an die Toten erinnern. Aber das Erinnern gehört an die Orte, an denen Soldaten bestattet sind - auf die Friedhöfe. Von Werner van Bebber

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