PRO & Contra : Büroschlaf für Beamte?

Sigrid Kneist

PRO



Kennen Sie auch diese unglaubliche Mattheit, die einen so um die späte Mittagszeit befällt? Der Biorhythmus auf dem Nullpunkt, klare Gedanken sind kaum zu fassen, das Gähnen nur mit Mühe zu unterdrücken. Eigentlich die optimale Zeit für ein kurzes, tiefes Schläfchen. 15, 20 Minuten „Powernap“, wie Schlafforscher diese Auszeit nennen, und man ist wieder topfit für den Rest des Arbeitstages. Es ist nur vernünftig, dem Körper zu dieser Tageszeit eine Ruhepause zu gönnen. Genügend wissenschaftliche Untersuchungen belegen die positiven Effekte. Man ist danach viel aufnahme- und leistungsbereiter. Warum also sollten Behörden diese Form der Mittagspause nicht fördern und nur deswegen darauf verzichten, weil es so viele Vorurteile gegen ohnehin verpennte Beamte und den berüchtigten Büroschlaf gibt ? Der Letztere hat ja mit dem konzentrierten Powernap nichts zu tun, sondern bezeichnet nur die lähmende Langsamkeit in den Bürostuben. Wenn jetzt in Berlin der Vorstoß unternommen wird, den Mitarbeitern einen Mittagsschlaf zu ermöglichen, um neue Kräfte für den zweiten Teil des Arbeitstages zu sammeln, ist das begrüßenswert. Die Produktivität und Effektivität werden auf jeden Fall zunehmen, das haben ja auch erste Erfahrungen im niedersächsischen Vechta gezeigt. Dann haben wir irgendwann in Berlin eine richtig ausgeschlafene Verwaltung. Sigrid Kneist

CONTRA

Büroschlaf für Beamte, dieser Vorschlag bedient ja nun wirklich jedes Klischee über unsere Staatsbediensteten. Ihre Amtszimmer gelten als Ruheräume, und gerne lachen wir über Witze wie diesen: Kennen Sie Beamtenmikado? Antwort: Wer sich als Erster bewegt, hat verloren. An diesen Klischees ist so viel oder so wenig wahr wie an allen Klischees. Aber man muss solche Vorurteile nicht auch noch bedienen wie jetzt mit der Idee, in der Bezirksverwaltung Charlottenburg-Wilmersdorf den Mittagsschlaf zum quasi offiziellen Bestandteil der Dienstzeit zu machen. Das Nickerchen am Arbeitsplatz soll Beamte und Angestellte in den Behörden leistungsfähiger machen, lautet das Argument. Aber es gibt, mit Verlaub, wirkungsvollere Instrumente, um die Verwaltungsarbeit zu verbessern. Dazu gehört, den Behörden nicht immer weitere Aufgaben durch neue Verordnungen und Gesetze aufzuhalsen, während zugleich Personal abgebaut wird. Die Berliner Verwaltungsreform hat manches zum Besseren gewendet. Da wollen wir doch nicht, dass aus dem Stellenpool des öffentlichen Personalüberhangs am Ende Schlafinspekteure abkommandiert werden, um die Einhaltung der verordneten Ruhezeiten in den Amtsstuben zu überwachen. Schlafen sollen die Mitarbeiter der Verwaltung wie alle anderen Bürger auch, zu Hause. Und Klischee soll Klischee bleiben. Stephan Wiehler

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