Pro & Contra : Helmpflicht für Radfahrer?

PRO



Die Fakten sprechen für sich: Jedes Jahr sind in Berlin Tausende Radfahrer an Unfällen beteiligt. Alleine vergangenes Jahr kam es im Durchschnitt 20 Mal am Tag zu Unfällen mit Radlern. Neun von ihnen starben an den Unfallfolgen, 539 wurden schwer verletzt, 4286 leicht. Im Gegensatz zu Autofahrern haben Radler keine Knautschzone: Bei jedem zweiten Unfall mit verletzten Fahrradfahrern, das zeigen Studien, gab es – oft schwere – Kopfverletzungen. Geringere Verletzungsraten werden hingegen bei Radlern diagnostiziert, die einen Helm trugen. Noch Fragen?

Diese Zahlen sollten jeden Radfahrer überzeugen, sich vor dem Schwung auf den Sattel einen Helm aufzusetzen. Auch, weil es nicht nur darum geht, den eigenen Kopf vor Stößen und Verletzungen zu schützen. Die Kosten für Unfallverletzungen zahlen wir alle: Jeder Radfahrer, der wegen Kopf- und anderer Verletzungen behandelt werden muss, belastet unser Gesundheitssystem zusätzlich. Natürlich geben Helme keine hundertprozentige Sicherheit. Aber sie reduzieren das Risiko. Und gute Helme gibt es für unter 100 Euro. Das sollte einem der eigene Kopf wert sein. Natürlich sind Fahrradhelme am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber das galt einst auch für Anschnallgurte in Autos oder Schutzhelme für Motorradfahrer. Und welcher vernünftige Mensch würde heute noch an deren Sinn zweifeln? Lars von Törne


CONTRA

Helm auf beim Fahrradfahren als Vorschrift? Niemals! Gewiss: Bei einem Unfall kann ein Helm schwere Kopfverletzungen verhindern. Sinnvoller ist es aber, das Radfahren generell sicherer zu machen und damit die Gefahr eines Unfalls zu verringern. Der Helm dagegen kann eine Sicherheit suggerieren, die es so gar nicht gibt. Nach dem Motto: Mit Helm kann mir nichts passieren. Und Autofahrer neigen dazu, weniger vorsichtig zu sein, weil sie annehmen, behelmte Radler seien ja besonders geschützt. Zu befürchten ist zudem, dass sich bei einer Helmpflicht weniger Menschen auf den Sattel schwingen werden, weil das Prozedere schlicht zu umständlich ist. Wer will schon jedes Mal beim kurzen Weg zum Bäcker immer erst den Helm festzurren? Und manche wollen das Ding auch einfach nicht auf ihrem Kopf haben. Den Willen soll man ihnen lassen. Auch das Argument, wer ohne Helm bei einem Unfall verletzt wird, bürde der Allgemeinheit wegen der Behandlung hohe Kosten auf, zieht nicht. Dann müssten vorher gefährliche Sportarten wie Bergsteigen oder Fallschirmspringen aus der Versicherung fliegen. Hier ist das in Kauf genommene Risiko viel größer als beim Radfahren. Der Hang, alles vorzuschreiben, ist fatal. Nichts gegen einen Helm. Wer ihn tragen will, soll ihn aufsetzen. Aber nur freiwillig. Überflüssige Vorschriften gibt es bereits im Überfluss. Klaus Kurpjuweit

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