Pro & Contra : Hundeverbot in Berliner Parks

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PRO:

Die Reaktion des Tierschutzverbandes auf das Friedrichshainer Hundeverbot ist entlarvend: Man müsse die Tiere nicht extra aussperren, weil sie laut Grünanlagengesetz ohnehin nicht auf Wiesen und Beete dürften. Funktioniert ja auch ganz prima, wie überall in der Stadt zu erleben ist. Oder hat schon mal jemand einen freilaufenden Hund im Park gesehen? Im Ernst: In Berlin hat sich ein höchst unerfreuliches Recht des Stärkeren – des Hundebesitzers – etabliert. Während es früher noch aufmunternd hieß: „Der will nur spielen!“, wird hundelosen Mitmenschen jetzt öfter mal ein „Haste Angst oder watt?“ entgegengeschleudert.

Wer sich nicht freut, wenn der liebe Fiffi ihn bespaßen, besabbern oder begatten will, ist ein Schisser und ein Spießer. Aber Lebensqualität in Grünanlagen beschränkt sich nicht auf die Erleichterung bei der Heimkehr, weil man auch diesmal nicht gebissen wurde. Viele Hundebesitzer wissen das und verhalten sich entsprechend, aber viele andere eben nicht.

Wenn Raubtiere Familien mit Kindern aus den Parks verdrängen, ist Alarm angebracht. Dieser Punkt ist schon längst erreicht. Auch Berlin ist in erster Linie für die Menschen da und nur in zweiter Linie für Hunde, Autos und was sonst noch zur Großstadt gehört. Apropos Autos: Die parkt man doch auch nicht einfach in der Grünanlage, weil man ja Kfz-Steuer bezahlt hat und deshalb alles darf. Also: Gebt die Parks den Menschen zurück! Stefan Jacobs

CONTRA:

Die Steuer einstreichen und dann das Problem möglichst kostengünstig verdrängen – das ist die ewige Devise unserer Behörden, wenn es um Hunde geht. Die Stadt ist voll von diesen Tieren, das war immer so, das kann auch niemand ändern. Aber statt effektiv daran zu arbeiten, dass es ihnen ebenso wie den Menschen gut geht, denken sich die Verantwortlichen immer neue Schikanen aus, weil das nichts kostet. So ist es auch mit dem Hundeverbot in Parks. Zwar zweifelt niemand ernsthaft daran, dass diese Parks in der Stadt oft die einzige Möglichkeit bieten, Hunde einigermaßen artgerecht auszuführen; wer sie sperrt, handelt gegen den Tierschutz.

Doch das scheint die Verantwortlichen nicht weiter zu stören. Sie verweisen lediglich auf meist weit entfernte Auslaufgebiete, die nur mit Auto und viel Zeit erreichbar sind – das muss von vielen Haltern als blanker Zynismus empfunden werden, zumal angesichts des klar erkennbaren Unwillens, solche Gebiete überhaupt in ausreichender Zahl auszuweisen. Dabei wäre in vielen größeren Parks Platz dafür. Und bei dieser Gelegenheit ließen sich auch gleich Spender für Plastikbeutel nebst speziellen Abfallbehältern installieren, wie sie in den Parks nahezu jeder zivilisierten Stadt Standard sind und gut angenommen werden. Es gibt eigentlich keinen Grund, weshalb das ausgerechnet in Berlin nicht funktionieren sollte. Außer man will nicht, dass sie funktionieren – weil Nichtstun und Verbieten billiger sind. Bernd Matthies

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