PRO & Contra : Pflichtessen für Ganztagsgrundschulen?

PRO



Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Manche kennen den doofen Spruch vielleicht noch. Aber darum geht es beim verbindlichen Schulessen nicht. Natürlich kann man verlangen, dass den Mädchen und Jungen kein schlechteres Mahl vorgesetzt wird, als es Mama und Papa in der Betriebskantine bekommen. Aber zunächst einmal geht es doch um die Selbstverständlichkeit, dass Ganztagsschüler in Berlin nicht bis zum Abend auf ein warmes Essen warten müssen. Und um die Selbstverständlichkeit, dass alle Schüler gemeinsam um den Tisch sitzen und niemand ausgrenzt wird, weil den Eltern das Essen nicht schmeckt und sie nicht bereit sind, dafür zu zahlen. Das gemeinsame Mittagsmahl an der Schule, das in vielen anderen Ländern seit langem selbstverständlich ist – und glücklicherweise jetzt auch in Berlin, obwohl quälend langsam und nicht flächendeckend Verbreitung findend –, ist physiologisch notwendig und stärkt den sozialen Zusammenhalt in der Klasse. Selbst wenn die Kartoffeln manchmal pampig sind. Und Hand aufs Herz: Wer bietet seinen Kindern denn täglich zu Hause ein dreigängiges Vollwertmenü an? Eine vermutlich kleine Minderheit, die aber kein Recht hat, per Zahlungsverweigerung ein gutes Konzept für die Mehrheit der Ganztagsschüler kaputt zu machen. Ulrich Zawatka-Gerlach


CONTRA

Essgewohnheiten werden im Kindesalter geprägt: Wer in jungen Jahren gesunde, schmackhafte Kost genossen hat, wird sie auch später zu schätzen wissen. Was den Schülern aber an manchen Schulen vorgesetzt wird, sieht anders aus: Kartoffeln, Brokkoli und Blumenkohl sind völlig zerkocht und riechen übel, dazu gibt es Fertigsoßen und harte, saure Kiwis. Derartige Mahlzeiten sind weder gesund, noch tragen sie dazu bei, Kinder für Obst und Gemüse zu begeistern. Manche Eltern wollen ihren Kindern diesen Fraß ersparen. Das ist verständlich und ihr gutes Recht. Auf eine warme Mahlzeit verzichten müssen die Kinder deshalb nicht: In vielen Familien wird abends zu Hause gekocht. 23 Euro pro Kind und Monat sollen Eltern von Ganztagsschülern jetzt zahlen müssen. Das ist nicht viel, mag da manch einer sagen. Gerade an Ganztagsschulen stammen aber viele Schüler aus sozial schwachen Familien. Das fürs zerkochte Essen vergeudete Geld fehlt dann schnell beim nächsten Einkauf. Natürlich gibt es leider auch Eltern, die nicht genug auf die Ernährung ihrer Kinder achten, und gemeinsames Essen kann das Gruppengefühl an Schulen stärken. Die Antwort darauf kann aber nur heißen: mit den Eltern sprechen und das Essen verbessern! Obrigkeitsstaatliche Zwangsmethoden sind fehl am Platz. Carl-Friedrich Höck

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