PRO & Contra : PRO & Contra

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Kein Geld für das Pseudo-Schloss: Da hat die Bundesregierung mal etwas entschieden, schon dafür muss man ihr dankbar sein. Davon abgesehen, gibt es serienweise Gründe gegen ein Projekt, das trotz vielfachen politischen Werbens und Herbeiredens nicht wirklich Freunde gewinnen konnte. Es wäre die Beton gewordene Kapitulation vor den Herausforderungen eines faszinierenden Ortes. Architekten zeigen mit Museumsneubauten überall in der Welt, was geht, wenn man sich traut. Nur mitten in Berlin soll es traulich zugehen, mutlos, bestens vom Touristensbusfenster aus konsumierbar. Die Stadt als Klischee der europäischen Aber-Hallo-Metropole – interessieren sich deshalb Menschen aus aller Welt für Berlin? Die Befürworter des Humboldt-Forums Schlossgestalt argumentieren mit einem neuen Ausstellungs- und Kulturkennenlern-Konzept, das verwirklicht werden soll. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, will einen „Ort der Weltkulturen“ – „für alle Schichten“. Was sich liest wie der Abschied vom eurozentrischen Blick auf Asien und Ozeanien, ist dessen Beibehaltung. Mitten in der Stadt, wo Baukultur grandios zu sein hat, breitet Berlin seine Sammlungen aus: leicht protzig, wie man das so machte – im 19. Jahrhundert. Nur wer so denkt, baut Schlösser. Werner van Bebber

Der Bundestag beschließt nichts für die Ewigkeit, aber die Entscheidung für den Wiederaufbau des Schlosses war deutlich: Knapp zwei Drittel der Abgeordneten standen im Juli 2002 hinter dem Plan. Und im Herbst vergangenen Jahres bekräftigten Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag: „Der Bundestagsbeschluss zum Bau des Humboldt-Forums am historischen Ort und in der äußeren Gestalt des Berliner Stadtschlosses wird realisiert.“ Vieles hat sich seitdem verändert: Athens Akropolis erscheint uns heute ruinöser als vor einem halben Jahr, Milliardenbürgschaften für die Euro-Krise und enorme Schuldenlasten drücken auf die Schultern der Haushälter, die Bundesregierung muss sparen. Berlins Mitte ein Gesicht zu geben, das ist wahrhaftig eine Generationenaufgabe, doch man muss sich ihr stellen. Das Humboldt-Forum wird eine zentrale Wunde dieser Stadt, die Krieg und kommunistische Diktatur gerissen haben, schließen – und neue Brücken schlagen, nicht nur in dem architektonisch wagemutigen Plan, ein janusköpfiges Fassadenwesen aus Moderne und Barock zu schaffen. Manches an diesem Projekt mag überdacht und verändert werden, aber die Idee des Humboldt-Forums ist zu zu gewichtig, um sie gänzlich zu verwerfen. Es ist eine Investition in die Zukunft, die zu sparen wir uns nicht leisten können. Stephan Wiehler

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