PRO & Contra : PRO & Contra

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Das war noch ein echtes Sommermärchen: die Fußball-WM 2006, Public viewing und Fanjubel ohne ein sonores, lang gezogenes OOOO. Bei diesem Dauerton, der an das Summen eines Hornissenschwarms erinnert, kann man sich weder im Stadion, vor dem Fernseher oder auf öffentlichen Plätzen auf das Spiel konzentrieren, noch kommt das richtige Fußball-Fangefühl auf. Stattdessen bringt die Vuvuzela einen monotonen Soundteppich hervor, der sich über das Spiel legt und jede Begeisterung für Spielszenen ersticken lässt.

Leider kann man nervige Tröter neben, vor oder hinter sich nicht mit einem Software-Filter überziehen, wie es sie immerhin schon für die Fernsehübertragung gibt. Stattdessen sieht man erwachsene Fans mit Lärmschutzwatte oder Schaumstoffstöpseln und Kinder mit Bauarbeiter-Kopfhörern. Ein harmonisches Gemeinschaftserlebnis schaut anders aus – und hört sich vor allem anders an als ein Nerv-Ton.

Vuvuzelas mögen zu Afrika gehören, das „einen anderen Rhythmus, einen anderen Sound hat“, wie Fifa-Präsident Joseph S. Blatter geschrieben hat. Eine europäische Tradition haben sie nicht. Vuvuzelas können außerdem schmerzhafte Körperverletzungen verursachen. Deshalb gehören sie in der Öffentlichkeit verboten. Wer nicht auf den Vuvuzela-Lärm von bis zu 125 Dezibel verzichten will, sollte sich gleich vor Disco-Boxen stellen oder die unmittelbare Nähe von Flugzeugen beim Start suchen. Sabine Beikler

Spielverderber! Irgendwie war es zu erwarten. Die Vuvuzelas bedrohen also deutsche Gehör- und Nervenzellen und was liegt da näher als ein bei anderen Gelegenheiten ebenso einfalls- wie sinnlos praktiziertes Verbot. Hallo? Ist nicht der schönste Nebeneffekt der Fußball-WM, das man ein wenig von den anderen, den fremden Kulturen erfährt und erlebt? Die Vuvuzelas gehören nunmal zum Fußball in Afrika wie anderswo die La-Ola-Welle. Ja, sie können nerven, aber – fast – keiner ist gezwungen, sich dorthin zu begeben, wo sie inflationär gebraucht werden.

Denn hier liegt doch der Hase im Pfeffer: Es geht bei den Tröten wie auch bei Feuerwerkskörpern, Internet, ja sogar Alkohol, nicht um ein generelles Verbot, sondern um den richtigen Umgang. Menschsein bedeutet Freiheit und Verantwortung. Und das heißt während der Fußball-WM, die Vuvuzela eben nicht dem Nachbarn ins Ohr zu blasen. Oder dem Kleinkind, wenn es denn schon unbedingt mit auf die Fanmeile muss, Ohrenschützer aufzusetzen. Es geht also um das richtige Maß. Das herauszufinden, ist freilich anstrengender als ein Verbot.

Poldi, Schweini & Co. müssen das Getröte ja auch ertragen, warum sollten wir also nicht mithören und -fühlen? Sonst wollen wir den Jungs doch auch immer so nah wie möglich sein. Und falls sie vielleicht doch nicht Weltmeister werden, was wird von dieser WM im Gedächtnis bleiben? Genau: die Vuvuzelas. Nicht die Spielverderber. Sandra Dassler

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