PRO & Contra : PRO & Contra

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Ja, es ist richtig der geschändeten Frauen zu gedenken. Und nein, das heißt nicht, dass man deshalb Naziverbrechen leugnet und das Leid, das sie über Europa brachten. Ungeschickt an dem CDU-Antrag zum Bau eines Denkmals für geschändete Frauen ist lediglich, dass hier Leid eingegrenzt wird auf einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit. Schade, denn dies lenkt vom Wesentlichen ab: den Verbrechen an Frauen in Kriegs-, Besatzungs- oder rechtslosen Zeiten. Vergewaltigung ist das perverse Pendant zur Vernichtung des Gegners. Beides verstößt gegen Völkerrecht, doch beides geschieht noch immer. Frauen leiden unter der körperlichen Gewalt, die ihnen angetan wird und am Mantel des Schweigens, der die Schändung zu verbergen hilft. Muslimische Frauen, vergewaltigt im Bosnienkrieg, wurden von ihrer Glaubensgemeinschaft verstoßen. Weil „Ungläubige“ sie berührten, sie ihre Unschuld verloren oder ein Kind des „Feindes“ austrugen. Deutsche Frauen, die in den letzten Kriegsjahren vergewaltigt wurden, klagten nicht über ihr Leid. Sollten sie schweigen, nur weil deutsche Männer massenmordend gewütet hatten? Sie verdrängten das erlebte Grauen. Gefühlskälte und Härte, vor allem gegen sich selbst, übertrugen diese Frauen an folgende Generationen – davon zeugt zum Beispiel Sabine Bodes Buch „Kriegsenkel“. Gedenken kann diesen Teufelskreis durchbrechen. Und dafür ist es höchste Zeit. Ralf Schönball

Schon allein die Wortwahl disqualifiziert das Anliegen: Frauen zu ehren, die Opfer von Vergewaltigungen geworden sind. Schändungen nennt es die CDU. Wer heutzutage von geschändeten Frauen spricht, hat es immer noch nicht begriffen. Nicht die Frauen sind es, die mit dem Begriff Schande in Zusammenhang gebracht werden sollten, sondern die Täter. Sie sind es, die Schandtaten begehen. Schon die Bezeichnung „geschändet“ bedeutet ja, dass jene Frauen gesellschaftlich stigmatisiert werden. Und damit werden sie weiter traumatisiert.

Das war auch nach 1945 nicht anders und führte dazu, dass Frauen über Jahrzehnte allein mit dem Schrecklichen fertig werden mussten, das ihnen widerfahren war. Über die Schande wurde nicht geredet. Erst in den letzten Jahren – auch durch Bücher wie jenes der „Anonyma“ – wurde das Tabu gebrochen.

Abgesehen davon zeigt der Antrag der CDU, an die „ab Frühjahr 1945 von den Soldaten der Besatzungsmächte vergewaltigten Frauen“ zu erinnern, ein mehr als befremdliches, weil relativierendes Geschichtsverständnis. Als ob man diese Verbrechen auf jenen Zeitraum beschränken dürfte und auf diesen Täterkreis, bei dem vor allem die sowjetischen Soldaten gemeint sind. Komplett ausgeblendet wird dabei, dass massenhafte Vergewaltigungen seit jeher ein besonders perfides Mittel in kriegerischen Auseinandersetzungen waren – und leider immer noch sind. Sigrid Kneist

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