PRO & Contra : PRO & Contra

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Schon klar, so ein Bußgeld bezahlt niemand gern. Aber es muss ja auch keiner, denn es ist die am leichtesten vermeidbare Geldausgabe überhaupt: Wer vorschriftsmäßig fährt, zahlt nichts. Wer könnte also ernstlich was dagegen haben, in der Stadt mehr Blitzer aufzustellen? Schließlich haben die Kästen viele Vorteile. Nummer eins: Die Leute fahren langsamer. Das senkt die Zahl und den Schweregrad von Unfällen. Es rettet also Menschenleben. Die Zahl der Verkehrstoten durch überhöhte Geschwindigkeit ist nämlich gestiegen. Die Raserei scheint Volkssport zu sein, denn im vergangenen Jahr wurden mehr als 600 000 Autofahrer geblitzt. Und das, obwohl viele der vorhandenen mobilen Radaranlagen nicht voll genutzt werden – da gibt es also noch eine Menge Potenzial. Vorteil Nummer zwei: Es kommt Geld in die Landeskasse. Rund eine Dreiviertelmillion Euro spielt jede Radarfalle jährlich ein; Verkehrsordnungswidrigkeiten insgesamt brachten im vergangenen Jahr 56 Millionen Euro für den Berliner Haushalt. Damit könnte man schon mal ein paar Kitas, Schulen und Sportplätze renovieren. Oder ein paar Schlaglöcher stopfen. Oder fast die gesamte barocke Fassade des Stadtschlosses bezahlen. Wie gesagt, jedes Bußgeld lässt sich vermeiden, wenn Autofahrer sich an Recht und Gesetz halten. Das vorgeschriebene Tempo einhalten, bei Rot anhalten, die Verkehrsregeln beachten. Deswegen sollte gelten: entweder das Blech korrekt steuern – oder blechen. Fatina Keilani

Nur damit das klar ist: Hier folgt kein Plädoyer fürs Rasen und keine Jammerarie über die Autofahrerfeindlichkeit der Berliner Verkehrspolitik. Autofahrer haben es in Berlin nicht schlechter als in anderen großen Städten – abgesehen davon, dass es woanders noch grüne Wellen gibt. Das Geschimpfe auf die angeblich so hohe Zahl von „Rasern“, gestützt auf die bekannten „Immer-schlimmer“- Thesen der Polizei, bedarf aber einer Erwiderung. Es ist ein Unterschied, ob jemand spätabends mit 130 durch den Britzer Tunnel brettert – oder mit derselben Geschwindigkeit über die Bülowstraße. Und wer ist gefährlicher: Der Nachts-über-die-Stadtautobahn-Heizer oder der Schnarchsack, der mit 45 Stundenkilometern, das Handy am Ohr, die von Gelb auf Rot wechselnde Ampel überfährt? Ignoranz und Genervtheit durch die Überampelung der Stadt haben sich zu einem gefährlichen Trend entwickelt – und gegen den helfen Blitzer nicht, bei denen die Polizei doch immer nur in Versuchung ist, mit geringem Aufwand viel Geld einzunehmen. Gegen diesen Trend helfen nur mobile Verkehrserziehungskommandos: Ampelsünder, Raser und die notorischen Rechte-Spur-Zuparker müssten zwei Monate lang erfahren, dass sie gleich nach der Ordnungswidrigkeit von einem motorradfahrenden Polizisten zur Rede gestellt werden. Das hätte mehr Wirkung als zwanzig neue Blitzer. Werner van Bebber

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