PRO & Contra : PRO & Contra

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Natürlich muss man das Rauchen im öffentlichen Raum verbieten – schon der Raucher willen. Es ist ein Laster, das nur zur Lust gereicht, wenn es verboten ist. Quentin Tarantino, dessen Filme meisterhaft das enge Band von Lust und Laster schnüren, hat in „Pulp Fiction“ alles dazu gesagt: „Ja, es ist verboten, aber sie wollen nur, dass du es an eigens dafür bestimmten Orten tust.“ Gemeint ist das Rauchen von Gras in Amsterdam. Aber dasselbe sollte für Nikotin gelten, in Berlin.

Die „dafür bestimmten Orte“ wären private Raucherzimmer zum Beispiel. Jene, die es eher mit der klassischen Bildung halten, erinnern sich: Dort ziehen sich die Buddenbrooks mit ihren Gästen nach dem Essen zurück, blasen blauen Dunst an die Decke und besprechen ihre Geschäfte, einen Kognakschwenker in der Hand. Ganz beiläufig wird das Rauchen also wieder zur Kultur und das Laster verwandelt sich in Lust. Denn auf dem langen Weg ins Raucherzimmer geht das verloren, was niemand sucht: der Zwang, die Sucht, die dunkle Seite der Lust. Dunkel, weil sie Lust vortäuscht, wo nur Gewohnheit ist – es entzaubert den Genuss. Womit wir beim ökonomischen Aspekt der Frage wären: Die gesundheitlichen Kosten zwanghaften Rauchens. Aber das ist banal. Etwas weniger Zwang und mehr Lust – wäre das nicht, liebe Raucher, eine Bereicherung? Ralf Schönball

Klar doch: je weniger geraucht wird auf der Welt, desto besser ist es für diese. Am besten wissen das die Ex-Raucher. Und das Rauchverbot in Restaurants ist ein Segen für alle, die mit Kindern mal ausgehen wollen. Doch ein staatliches Rauchverbot in allen Räumen, auch in Kneipen und Bars für Erwachsene wäre die falsche Methode zur Förderung der Rauchfreiheit. Es wäre die Art von staatlicher Drangsaliererei, die das Gegenteil von dem bewirkt, was erreicht werden soll. Das sollte spätestens seit der Zeit der Prohibition in den Vereinigten Staaten allen Verbotsfetischisten bekannt sein.

Ein Rauchverbot würde in Berlin eine ganze neue Szenerie von rauchverhangenen Süchtler-Kaschemmen hervorbringen, von luftdichten Clubs der Kettenraucher – Tempel des Bronchialkatarrhs und des Bluthustens. Eine Politik, die das ernsthaft erwägt, sollte in dieser einen kleinen Frage dann auch mal sehr entschieden sein und gleich Zigaretten, Zigarren und das ganze Zeug verbieten. Aber Steuern kassieren und dann die Leute schurigeln wollen – das geht nicht. Der Umgang mit dem Rauchen ist in Berlin bestens geregelt: Erwachsene dürfen selbst entscheiden, was sie ihrer Lunge zumuten. Niemand wird gezwungen, in Raucherlokale zu gehen. Wer auf diese Art von Freiheit und Abenteuer steht, soll das röchelnd bis zum letzten Zug ausleben können. Werner van Bebber

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