PRO & Contra : PRO & Contra

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Nehmen wir zum Beispiel den Potsdamer Platz: Rings um das Einkaufszentrum ist von früh bis spät alles zugeparkt. Wer nur kurz bleiben will, zieht sich einen Parkschein für 75 Cent. Und hat dann genug Zeit, beispielsweise beim Italiener eine Kugel Eis für 1,20 Euro zu kaufen und zu essen. Wer länger bleibt, wirft vernünftigerweise gar nichts in die Parkuhr – und hat bei der Rückkehr nach vier Stunden vermutlich ein Knöllchen über fünf Euro am Scheibenwischer. Macht 1,20 Euro pro Stunde – so viel wie eine Kugel Eis. Der Ehrliche ist entweder der Dumme, weil er für dieselben vier Stunden hier zwölf Euro zahlt. Oder er parkt auf der anderen Seite des Landwehrkanals, wo die Stunde nur einen Euro kostet. Zur Erinnerung: Für einen Euro gibt’s etwa 0,7 Liter Benzin.

Das gesamte Preissystem ist demnach schief. Und dass die teuersten Bereiche zugleich die begehrtesten sind, zeigt, dass die Nachfrage höhere Preise rechtfertigt. Wer aus Bequemlichkeit für sein (im Stadtverkehr übrigens konkurrenzlos umweltschädliches) Auto zehn Quadratmeter beste Citylage beansprucht, soll dafür auch beste Citylagenpreise bezahlen. Und wer sich davor drückt, soll nicht mit einem Knöllchen für fünf Euro davonkommen, wenn gleichzeitig eine vergessene Monatskarte in der Bahn 40 Euro Strafe kostet. Stefan Jacobs

Keine Frage, Berlins öffentliches Nahverkehrsnetz ist perfekt gestrickt. Aber es gibt dennoch eine ganze Menge guter Gründe, auch mal mit dem Auto in die City zu fahren. Zum Beispiel, um größere Einkäufe zu transportieren. Um als Familie mit einer Schar Kinder ins Theater oder Kino zu gehen. Oder um beruflich einen wichtigen Termin zu erledigen und anschließend ein weiter entferntes Ziel anzusteuern, das mit Bussen und Bahnen nur schwer erreichbar wäre. In all diesen Fällen ist die finanzielle Schmerzgrenze bei den jetzigen Parkgebühren von zwei bis drei Euro in zentralen Lagen längst erreicht. Sechs oder gar neun Euro, nur um das Auto für eine überschaubare Zeit abzustellen, ist schon ärgerlich genug.

Noch höhere Tarife aber wären eine Zumutung und außerdem unsozial. Denn bei den jetzigen Parkgebühren fährt ein Elternpaar mit zwei oder drei Kindern im Auto noch immer etwas günstiger in die Stadt als mit der BVG. Für deren Tickets müssten sie alle zusammen hin und zurück zwischen 15 und 17 Euro bezahlen.

Parkuhren und Kontrollen sind zweifellos sinnvoll, damit die City nicht von Dauerparkern blockiert wird und möglichst viele Menschen Busse und Bahnen nutzten. Doch sollte man mit Augenmaß vorgehen. Radikalität ist kein guter Ratgeber.Christoph Stollowsky

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