PRO & Contra : PRO & Contra

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Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Wer jemanden einstellen will, der möchte wissen, wen er kriegt, und dazu gehört auch der Name. Bei einem Namen wie Hans-Peter Falckenstein hat ein deutscher Personalchef eben weniger Fremdheitsgefühle als bei Yüksel Üzgül. Und haben diese ganzen Üzgüls und Al-Sonstwasse nicht auch eine ganz andersartige Kultur? Und darum bleibt auch alles, wie es ist. Denn sie kriegen kein Bein an den Boden. Studien zufolge landen Bewerber mit Migrationshintergrund schneller auf dem Absagestapel als Deutsche, sogar wenn sie besser qualifiziert sind. Das ist unfair – mindestens müsste man dem Bewerber doch die Chance geben, sich persönlich zu präsentieren. Wie er auftritt, wie er rüberkommt, und ob seine Herkunft dann vielleicht plötzlich unwichtig wird: Das lässt sich aus der Papierform einfach nicht ersehen. Herkunft ist hier nur ein Beispiel. Von der anonymen Bewerbung können auch ältere Bewerber profitieren, die sonst allzu schnell abgelehnt werden, und auch sonst eigentlich jeder, der Nachteile gewohnt ist. Absagen kann man dem Bewerber immer noch, wenn man ihn kennen gelernt hat. Aber dann hatte er wenigstens eine faire Chance. Und wenn es eines Tages mehr türkischstämmige Personalchefs geben sollte, könnten vom anonymisierten Bewerbungsverfahren auch Bewerber mit deutschen Vorfahren profitieren. Fatina Keilani

Ja, ja, die Gerechtigkeit ... Man kann als Politiker machen, was man will – es bleiben Lücken und Regelungsbedarf. Daran werden auch anonyme Bewerbungen nichts ändern. Längst gibt es ein Antidiskriminierungsgesetz, das jetzt Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) heißt. Es ist ein Super-Gesetz mit dem Ziel, „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“. Warum dann noch anonym bewerben? Weil es immer böse, böse Arbeitgeber gibt, die einen 25-jährigen Ehrgeizling eher einstellen als eine 48-jährige Mutter von vier halbwüchsigen Kindern? Den bösen Arbeitgebern wird in dem Moment, wo die Bewerberin aus ihrer Anonymität schlüpft und auf dem Bewerberstuhl über das Geld und die Überstunden reden muss, schon ein Grund einfallen, sie nicht zu nehmen. Die anonyme Bewerbung verschiebt das Entscheidungsproblem bloß – eben in die Phase, wo sich Arbeitgeber und Bewerber gegenübersitzen und man sich versteht – oder nicht. Etwas boshaft kann man sagen, dass die neueste Antidiskriminierungsidee die Schwächen des AGG beweist. Da hilft nur der gesetzliche Einstellungszwang – jedenfalls für Bewerber, die alle Handicaps mitbringen und außerdem aus dem Osten kommen. Werner van Bebber

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