PRO & Contra : PRO & Contra

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Man könnte schnöselig begründen, warum eine Opernkarte mit hundertsoundsoviel Euro subventioniert werden soll, ein Zoobesuch hingegen nicht: Ein Opernbesuch stimuliert alle Sinne, er gibt dem Gehirn und der Seele zu tun, er macht alten Menschen Freude, er füllt die Herzen mittelalter Menschen nach einem Arbeitstag mit nichtalltäglichen Gefühlen. Die Oper gibt Kindern eine Ahnung von „Kultur“. Sie ermöglicht vielen Menschen von der Requisiteurin über die Regisseurin bis zum Komponisten das Ausüben ihrer Berufe. Das ist viel wert. Ein Zoobesuch läuft auf das Begaffen von bemitleidenswerten Kreaturen hinaus und auf die Erweckung eines einzigen Gefühls: dass diese Kreaturen nicht wissen, wie ihnen geschieht. Viel überzeugender ist die weniger schnöselige Begründung: Rechnungen der oben aufgemachten Art führen in die Irre. Viele andere Leistungen kultureller Art werden ebenfalls subventioniert, bloß fällt es weniger auf. Findet es jemand falsch, dass die Berlinale zu 40 Prozent öffentlich finanziert wird? Ein Kulturereignis wie das Lokalderby Hertha gegen Union wird mittelbar subventioniert, indem fußballuninteressierte Bürger für den Polizeieinsatz am Rand des Fußballspiels zahlen. Opern sind, wie vieles andere, ein traditioneller und fester Bestandteil unserer Kultur. Wie vieles Schöne rechnen sie sich nicht. Genau das spricht für sie. Werner van Bebber

Es stimmt einfach nicht, dass Kunst im Allgemeinen und Oper im Besonderen verkommen, wenn sie nicht mehr öffentlich subventioniert werden. Das war in der Geschichte nicht so und das ist auch in anderen Ländern und Erdteilen nicht so. Das viel gescholtene Amerika bringt immer noch anspruchsvolle und innovative Kunst hervor. Es muss auch nicht sein, dass durch den Wegfall der Subventionen kein Rentner und kein Hartz-IV-Empfänger mehr in den Genuss eines wunderbaren Erlebnisses kommt. Das kann man auch anders organisieren. Wer aber Ohren, Augen und Herz für die Schönheit öffnen kann, der sollte sie nicht vor der Not verschließen, die es in dieser Stadt eben auch gibt. Dann lieber mehr Geld für die Opernkarten zahlen oder ein Mal weniger gehen, als noch mehr soziale und medizinische Hilfsprojekte kürzen oder ganz aufgeben. Nur ein Beispiel sei erlaubt: Da kümmert sich ein kleiner Verein liebevoll um Kinder psychisch kranker Eltern. Jeder, der die Problematik kennt, weiß, wie schwer es schon Erwachsenen fällt, mit depressiven oder schizophrenen Angehörigen umzugehen. Für Kinder, die ihre Eltern lieben, ist es furchtbar. Aber das Geld für einen Betreuungskurs, wo sie lernten, mit der Situation umzugehen, wo sie sich austauschen und auch mal wieder lachen konnten, wurde gestrichen. 186 Euro pro Kind würden wahrscheinlich schon dafür reichen. Sandra Dassler

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