PRO & Contra : PRO & Contra

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Dänische Verbraucher haben gut lachen: Knapp 90 Prozent der Restaurants und Lebensmittelgeschäfte des Landes schmücken sich laut Regierung inzwischen mit einem fröhlichen Smiley-Symbol – 20 Prozent mehr als noch vor ein paar Jahren, als das Kontrollsystem für all jene Unternehmen eingeführt wurde, die Lebensmittel anbieten. Wer hier einkauft oder essen geht, kann das gute Gefühl haben, dass mehr als anderswo auf Gesundheit und Sauberkeit geachtet wird. Die Dänen danken es ihrer Regierung: 97 Prozent der Verbraucher sind laut Umfragen der Meinung, dass die Smileys „eine gute oder sehr gute Idee“ seien. In Berlin ist man dem dänischen Vorbild bislang nur teilweise gefolgt und wendet das Smiley-System höchstens für Restaurants an. Warum so halbherzig? Schmutzige, alte oder falsch verarbeitete Nahrungsmittel sind in Supermärkten so inakzeptabel wie in Restaurants. Wer jetzt einwendet, für umfangreichere Prüfungen gebe es kein Personal, der sollte sich mal im Smiley-Pionierbezirk Pankow umschauen. Seitdem hier vor kurzem die Parkraumbewirtschaft ausgedehnt wurde, wimmelt es von Kontrolleuren, die mit ihren Knöllchen den staalichen Kassen hunderttausende zusätzliche Euro bescheren. Von dem Geld ließen sich durchaus ein paar Lebensmittelprüfer mehr bezahlen – so viel sollte uns unsere Gesundheit mindestens wert sein. Lars von Törne

Der Smiley mag noch so hellgelb stahlen, unsereins kann doch nur müde lächeln. Es ist ein ja hehres Vorhaben, jetzt auch Lebensmittelläden und Supermärkte mit dem Kontroll-Smiley zu bewerten. Allein: Das Icon ist eine Mogelpackung für den Verbraucher. Schon bei Gaststätten und Imbissen ist eine verlässliche Kontrolle wegen zu wenig Personal bei den Behörden nicht zu schaffen. Haben die Kontrolleure aufgedeckt, dass frisch gebackene Brötchen neben dem Klo gelagert werden oder dass sich Spinnenweben um Fleisch ranken, ist eine rasche neuerliche Kontrolle kaum zu schaffen. Oder andersherum. Hat jemand einen positiven Smiley bekommen – wer garantiert nicht künftige Fehltritte? Zudem hat der Handel längst scharfe Selbstkontrollmechanismen, und Skandale kann sich angesichts der harten Konkurrenz niemand erlauben. Und mit wie vielen Gütesiegeln für Waren und Handel will man die Kundschaft noch verwirren? Biosiegel, Ökotests, Warentesterurteil, da blickt doch keiner mehr durch, was nun wirklich zählt. Die zuständigen gesetzlichen Stellen sollen die Einhaltung der ausreichend strengen Vorschriften hinter den Kulissen prüfen. Und wenn nun wirklich jemand auch noch einen tatsächlich aussagefähigen Smiley will, dann müssten die Ämter personell gestärkt werden, doch dafür fehlt das Geld. Bleibt Folgendes: Smiley zurück in die Schublade. Annette Kögel

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