PRO & Contra : PRO & Contra

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Auch wenn es manche ungern hören: Alternative Wohnprojekte wie die Liebig 14 in Friedrichshain oder auch die Køpi in Kreuzberg gehören zu Berlin. Die subkulturelle Szene ist bunt, laut und dreckig. Trotzdem ist sie für den Charme und das Image der Stadt ebenso wichtig wie Glanz und Glamour am Potsdamer Platz. Berlins internationale Anziehungskraft auf junge Touristen, Künstler, Filmemacher und Musiker liegt auch daran, dass es hier Platz gibt für alternative Lebensentwürfe. In kaum einer anderen Stadt findet sich diese Mischung aus Streetart, halblegalen Konzerten und Partys, ex-besetzten Häusern und einer linken Szene, die sich lautstark gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten einsetzt. Berlin ist eben nicht München. Aber jetzt sollen ausgerechnet diejenigen verschwinden, die – ohne es zu wollen – mit ihrer Subkultur den Kiez über Jahrzehnte für Investoren attraktiv gemacht haben. Die Stadt täte gut daran, den Bewohnern ein Ersatzobjekt zur Verfügung zu stellen. Leerstehende Gebäude gibt es genug. Im Fall des Wagenplatzes Schwarzer Kanal konnte ja auch ein neuer Standort gefunden werden. Ein Haus für die Liebig-Bewohner wäre nicht nur ein Signal für 25 junge Menschen – sondern auch ein Zeichen, dass soziale Ungerechtigkeit und steigende Mieten von der Politik ernst genommen und bekämpft werden. Johannes Radke

Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus … – wie krieg ich bloß die Leute raus? Klar, für die Strahlkraft Berlins sind die bunten, rauen Seiten der Stadt wichtig, denn nur glatt und grau ist auch nicht attraktiv. Den Hausbesetzern ist das wurscht, ihnen geht es um günstige Mieten und Anpassungsverweigerung. Das ist ihr gutes Recht, so lange sie nicht anderen deren Rechte abschneiden. Wie es hier der Fall ist. Denn wenn einer sich ein Haus kauft, dann muss er es auch nutzen dürfen, egal, ob er sympathisch ist oder nicht. Im Falle der Liebigstraße 14 schlägt sich das Eigentümerduo nun schon vier Jahre damit herum, dieses Recht auch durchzusetzen. Die Hausbesetzer haben alle Prozesse verloren. Es ist also folgerichtig, dass sie ausziehen müssen. Da sie sich weigern, muss geräumt werden. Soll man sie für ihr Verhalten nun etwa noch belohnen, indem man ihnen ein Ersatzobjekt in der Innenstadt anbietet? Nein, das würde zu weit gehen. Hausbesetzer haben es bislang immer geschafft, neue Unterkünfte zu finden. Das wird zwar schwerer, weil Berlin schon stark saniert ist und es paradiesische Ruinen kaum noch gibt. Ein Ausweichquartier zu akzeptieren, wäre seitens der Besetzer aber auch inkonsequent: Wenn man gegen ein System ist, sollte man sich auch nicht von dessen Wohltaten korrumpieren lassen. Fatina Keilani

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