PRO & Contra : PRO & Contra

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Gelb ist die Hoffnung, wenn die S-Bahn wieder mal nicht fährt: gelb wie die Busse, Straßenbahnen und U-Bahn-Züge. Gelb wie das Logo der BVG. Die Farbe steht für einen Standortvorteil, um den uns alle Welt beneidet. Dieses Symbol sollte man nicht ohne Not aufgeben. Schon gar nicht in einer Welt, in der auf weniges noch Verlass ist. Man stelle sich vor, die legendären roten Londoner Doppeldeckerbusse wären plötzlich in irgendeiner anderen Farbe lackiert. Undenkbar – egal, welche andere Farbe es wäre. Dabei ist das Londoner Bussystem nicht besser als der Service der BVG. Das Berliner Gelb hat bei den vom Winterschmuddel unvermeidlich verdreckten Bussen zwar einen objektiven Nachteil, aber der betrifft die überwiegend im trockenen Tunnel fahrende U-Bahn nicht. Im Gegenteil: Im mäßig gemütlichen Bahnhofsneonschein wirken die Züge umso freundlicher. Auch warnt die Signalfarbe des nahenden Zuges Gedankenlose, Betrunkene und erleichtert Sehbehinderten die Orientierung. Das gilt erst recht gegenüber der jetzt drohenden Alternative Silbergrau. Eine Nicht- Farbe, die man von unentschlossenen Autofahrern und von diversen rumpligen Nahverkehrszügen im Ausland kennt. Wo? Vergessen. Stefan Jacobs

Ja, wir haben uns daran gewöhnt, dass die U-Bahnwagen gelb sind. Aber das war nicht immer so – und es muss nicht immer so bleiben. Ein wenig Abwechslung tut dem Auge gut. Gelb ist auch eine schwierige Farbe, unter Psychologen kommt sie schlecht weg. Neid, Gier und Dekadenz werden im europäischen Kulturraum damit verbunden. In China steht Gelb für Obszönität. Und selbst das gelbe Trikot der Tour de France ist mittlerweile eher ein Symbol für Betrug und Drogenkonsum. Die FDP mag verzeihen, aber dies ist kein politischer Text. Deshalb reden wir hier auch nicht über die gelbe Gefahr. Zurück zur U-Bahn, die in München blau daherkommt, in Peking blau-silber, in Nürnberg rot und und New York stahlgrau. Auch in der Geschichte der Berliner U-Bahn wurden schon alle möglichen Farbgebungen ausprobiert. Es gibt also keine Traditionsfarbe, an die man sich preußisch streng halten müsste. Deshalb probieren die Berliner Verkehrsbetriebe dankenswerterweise auch mal etwas Neues aus – Edelstahl. Nicht schlecht. Aber wie wäre es, passend in Berlin, mit einem strahlenden Preußisch-Blau? Eine edle Farbe, mit der die U-Bahnfahrt fast porschefühlig wird. Wir harren der Dinge. Ulrich Zawatka-Gerlach

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