PRO & Contra : PRO & Contra

Elisabeth Binder

Wer Frieden will, muss alte Feindbilder überwinden können. Als Ronald Reagan 1987 vor dem Brandenburger Tor Michail Gorbatschow direkt ansprach und ihn aufforderte, das Tor zu öffnen, die Mauer niederzureißen, tat er das gegen den Rat seines Außenministers und seiner Berater. Längst hatte er Gorbatschow kennengelernt und eine gute Beziehung zu ihm aufgebaut, deshalb konnte er so persönlich sprechen. Den Vertrag zur Beseitigung der Mittelstreckenwaffen unterzeichnete er nur ein halbes Jahr später. Reagan glaubte fest daran, dass Dinge sich ändern können, Anders als die meisten Deutschen glaubte er 1987, dass die Mauer wirklich würde fallen können. Er hatte diesen typisch amerikanischen unbefangenen Optimismus, den Europäer rasch als Naivität abqualifizieren, der tatsächlich aber Berge versetzen kann.

Gorbatschow bescheinigte Reagan später, dass er erheblich zum Fall der Mauer beigetragen habe. Bei den Amerikanern ist er heute populärer als John F. Kennedy und Abraham Lincoln, selbst Obama betrachtet ihn als politisches Vorbild. Nur viele Deutsche nageln ihn nach wie vor fest auf die Politik seiner ersten Amtszeit. Reagan konnte seine Meinung ändern. Warum können die Berliner das nicht auch? Es muss ja kein Platz sein, vielleicht gibt es auch einen schönen Park, der nach ihm benannt werden kann, eine der Grünflächen zwischen Reichstag und Potsdamer Platz zum Beispiel. Höchste Zeit wäre es. Elisabeth Binder

Zugegeben, er hat damals diesen Satz mit Gorbatschow und der Mauer gesagt, den man heute so lesen kann, als habe er den Weg zur Wiedervereinigung geebnet. Und er hat mit seinem Hochrüstungskurs letztendlich die Sowjetunion in die Knie gezwungen. Wer Ronald Reagan deswegen als Wegbereiter einer besseren Welt glorifizieren will, ignoriert allerdings, was der Kalte Krieger während seiner von antikommunistischem Eifer erfüllten Amtszeit als US-Präsident noch zu verantworten hatte. Die Hilfen für den „Schmutzigen Krieg“ der rechten Regierung El Salvadors oder den verdeckten Krieg gegen die sandinistische Regierung Nicaraguas zum Beispiel, dem zahllose Unschuldige zum Opfer fielen. Und dass Reagans Hass auf den Ostblock, der sich auch mal in einem Scherz über die Bombardierung Russlands äußerte, in den 1980ern nicht zum dritten Weltkrieg führte, hatte nicht zuletzt mit einer gehörigen Portion Glück zu tun. Wie auch die vergleichsweise erfolgreiche Wirtschaftsphase jener Jahre. Um zu sehen, dass Reagan nicht immer richtig, sondern manchmal meilenweit daneben lag, muss man nicht erst seinen Ausspruch „There is nothing wrong with the economy“ bemühen – einen Tag vor dem „Schwarzen Montag“ von 1987, dem ersten Börsencrash nach dem Zweiten Weltkrieg. Er war ein Politiker mit Stärken und Schwächen. Um ihn in Berlin mit der Benennung eines prominenten Platzes zu ehren, müsste man Ronald Reagans durchwachsene Bilanz schon ziemlich verklären. Lars von Törne

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