PRO & Contra : PRO & Contra

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Die Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft fordert Opfer: Schlafgestörte, Depressive, Arbeitswütige, Internetjunkies. Nachtruhe ist längst nichts Heiliges mehr, aber an den steigenden Kosten im Gesundheitssystem lässt sich ablesen, dass sich die biologische Uhr nicht straflos manipulieren lässt. Lärm erzeugt Stress, und dessen Folgen sind hinlänglich bekannt. Zur Überwindung des Schlafdrangs hat die Luftfahrtlobby den Euphemismus „Tagesrandzeit“ erfunden. Was früher Nacht war, wird jetzt dem Tag zugeschlagen. Statt acht Stunden müssten doch auch fünf Stunden Schlaf reichen, oder? Winston Churchill kam sogar mit vier Stunden aus. Ökonomisch betrachtet ist das Schlafen ohnehin Zeitverschwendung. Aber Sarkasmus hilft hier nicht weiter. Es ist eine Güterabwägung zwischen ökonomischer Effizienz und menschlichem Wohlbefinden. Dabei gibt es kein plakatives Entweder-Oder. Die Nachtruhe einzuhalten bedeutet nicht automatisch, auf einen florierenden Flughafen zu verzichten. Es erhöht nur den Druck, leisere Flugzeuge zu entwickeln und mehr Luftverkehr auf die Schiene zu verlagern. Alle wollen fliegen, auch die Schlafgestörten. In den „Tagesrandzeiten“ ist es auch so wunderbar billig. Genau deshalb gehören diese Randzeiten abgeschafft. Fliegen muss teurer, mithin wertvoller werden, sonst raubt uns das globalumspannende Vielfliegen zukünftig nicht nur den Schlaf.Thomas Loy

Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er heute kein Problem. Klaus Wowereit war Mitte der neunziger Jahre gegen den Standort Schönefeld: ungeeignet für einen Großflughafen. Damals drückte Amtsinhaber Eberhard Diepgen (CDU) Schönefeld durch. Heute muss der BBI-Aufsichtsratschef Wowereit dafür Sorge tragen, dass sich die Milliardeninvestition rechnet und Berlins künftiges Tor zur Welt das leistet, was für die Entwicklung der Stadt notwendig ist – unter Beachtung der schutzwürdigen Interessen der Anwohner. Alles eine Abwägungssache. Auch für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig war dies die Leitlinie. Es hat seiner Zustimmung zum Bau zugrunde gelegt, dass im Süden Berlins ein europaweit konkurrenzfähiger Großflughafen entstehen soll und kein Regional-Airport. Die Richter haben es sich 2006 nicht leicht gemacht. Sie haben für BBI die derzeit noch geltende unbeschränkte Nachtflugerlaubnis gekippt – zum Verdruss mancher Flughafenvertreter. Für den neuen Flughafen gilt deshalb absolute Nachtruhe von Mitternacht bis fünf Uhr früh – so wie auch in Frankfurt oder München. Derzeit landen jede Nacht noch 12 Flüge in Schönefeld. Doch mit Bedacht hat das Gericht Flüge zwischen 22 und 24 Uhr und fünf bis sechs Uhr in eingeschränkter Zahl zugelassen; nur so hat BBI eine Chance, sich als Drehkreuz zu entwickeln. Gerd Nowakowski

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