PRO & Contra : PRO & Contra

von

Neulich am Leipziger Platz: Der Handwerker parkt mit seinem Transporter halb auf dem Gehweg, schraubt im Gebäude herum, da bimmelt plötzlich sein Mobiltelefon: „Juten Tach, hier ist das Ordnungsamt! Sie dürfen hier nicht stehen!“ – Schweigen. Mist. Das wird teuer. – Doch dann: „Sie können jetzt umparken. Hier unten is’n Parkplatz frei.“ Kein Witz, es gab kein Knöllchen, stattdessen ruppigen Berliner Charme, konkrete Hilfe, ja, sogar ein Lächeln am Gehweg. Aber natürlich auch die Aufforderung, das Falschparken zu unterlassen.

Selten kommt das Ordnungsamt so entspannt daher. Zu oft wirken die Frauen und Männer bräsig und oberlehrerhaft. Genauso oft aber haben sie im Kern recht. Das Dilemma ist nur: Es nimmt sie nie einer richtig ernst, weil sie eben doch keine Polizisten sind, sondern nur Hilfssheriffs. Eine Imagekampagne, auch wenn das Ordnungsamt dabei nicht ganz so spaßig rüberkommt wie die Müllmänner, kann da sinnvoll sein. Es geht nun mal nicht ohne Regeln und Rücksichtnahme. Und es geht nicht ohne jemanden, der vermittelt, korrigiert, ja, auch mal streng erzieht. Wenn die BSR, die BVG, die Wasserbetriebe und die Stadt Berlin bunt für sich werben können, dann darf auch eine so wichtige Behörde wie das Ordnungsamt in einer Kampagne an die Berliner appellieren und aufklären, wozu sie da ist: für die Bürger. Das Ordnungsamt muss sich nicht verstecken. Deshalb ist eine Kampagne richtig.André Görke

Wie rührend: Jetzt fühlen sich die Ordnungsämter ungeliebt und wollen das mit einer Imagekampagne ändern. Wenn das mal gut geht. Nicht nur, dass der Slogan „Gute Regeln machen Sinn“ grässliches, aus dem Englischen herübergezwungenes Deutsch ist. Wer ordentliche Arbeit macht, braucht keine Imagekampagne.

Die beste Werbung für die Ordnungsämter wären sichtbare Erfolge in der Stadt. Also Bürgersteige ohne den Kot der Köter, Parks mit angeleinten Hunden, gesittete Radler. Davon ist Berlin genauso weit entfernt wie vor der Schaffung der Ordnungsämter. Deren Mitarbeiter werden nicht ernst genommen. Behäbig schlurfen sie heran, Durchsetzungswillen strahlen sie nicht aus. Spricht der Bürger sie auf Missstände an, bekommt er oft genug zu hören, dafür seien die Kollegen zuständig, die vom ruhenden Verkehr, die vom allgemeinen Ordnungsdienst, welche auch immer. Menschlich ist das verständlich. Niemand lässt sich gerne anpöbeln oder sogar tätlich angreifen. In der Sache aber ist es schädlich.

Gegen Informationskampagnen ist nicht viel zu sagen – etwa um darüber aufzuklären, was Jugendämter leisten. Das kann Menschen helfen. Aber eine Imagekampagne? Das ist rausgeworfenes Steuergeld. Eher schiene es sinnvoll, die Zuständigkeiten so zu ändern, dass sich keiner mehr rausreden kann. Wenn dann die Bürgersteige blitzen, kommt das Image von allein. Fatina Keilani

0 Kommentare

Neuester Kommentar