PRO & Contra : PRO & Contra

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Mit der Gerechtigkeit ist das so eine Sache. Schwarzfahren in der U-Bahn kostet 40 Euro in bar. Die gleiche Summe wird fällig, wenn man im Auto mit dem Mobiltelefon am Ohr angehalten wird. Doch die eine Missetat, die Schwarzfahrerei, kann einen ins Gefängnis bringen, die andere kostet und schlägt mit einem Punkt in Flensburg zu Buche. Da stimmt etwas nicht – und das hat mit der normativen Einordnung der Delikte zu tun. Das „Erschleichen“ von Leistungen“ ist eine Straftat, das Mobiltelefonieren im Auto ist – wie andere, viel gefährlichere Dinge, die man mit dem Auto machen kann – bloß eine Ordnungswidrigkeit. Richtig ist, dass die BVG Schwarzfahrer zahlen lässt, denn Schwarzfahren gehört sich so wenig wie Äpfelklauen. Und wenn die BVG den Eindruck hat, von Schwarzfahrer-Massen geprellt zu werden, dann muss sie sich energisch wehren: mit Kontrollen oder damit, dass man den Zugang zur U-Bahn erschwert. Andere Städte, New York etwa, haben das auch geschafft. Irrwitz ist es aber, erwischte Schwarzfahrer auch noch ins Gefängnis zu schicken, wo sie auf Kosten der Steuerzahler vor sich hin brüten. Das hat keinerlei abschreckende Wirkung. Denn die Leute, die im Knast ihre Geldstrafe fürs „Erschleichen“ absitzen, sind erwiesenermaßen durch nichts vom Schwarzfahren abzuschrecken. Werner van Bebber

So weit kommt’s noch. Weil auch die Justiz nach zahlreichen Sparrunden mit der Arbeit kaum noch nachkommt, sollen Schwarzfahrer keine Straftäter mehr sein. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Fahrgäste, die aus Versehen nicht den richtigen Fahrschein gekauft haben oder die schlicht vergessen haben, ihr Ticket zu entwerten. Kein Verkehrsbetrieb wird auf die Idee kommen, solche Kunden anzuzeigen. Anders sieht es bei notorischen Schwarzfahrern aus, die sich die Leistung bewusst erschleichen, wie es Juristen ausdrücken. Sie sollen weiter vor Gericht landen und wenn sie ihre Strafe nicht zahlen wollen, auch hinter Gittern landen. Sie schädigen die Verkehrsunternehmen, denen die Einnahmen fehlen, und indirekt auch die ehrlichen Kunden, die für die Schwarzfahrer mitzahlen. Die Rechnung, dass ein Tag im Knast extrem teuer sei, überzeugt auch nicht. Selbstverständlich kann man die Durchschnittskosten eines Häftlings ausrechnen. Doch was bringt’s? Gefängnisse müssen sein und kosten viel Geld. Einsitzende Schwarzfahrer treiben die Kosten gewiss nicht zusätzlich in die Höhe. Angezeigt werden die Sünder in der Regel ohnehin erst, wenn sie mehrfach ertappt worden sind. Hier nachzugeben und das Schwarzfahren als „Kavaliersdelikt“ zu werten, wäre fatal – und ungerecht. Klaus Kurpjuweit

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