PRO & Contra : PRO & Contra

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Ich glaub’, mich streift ein Bus“ – das war in den Achtzigern so ein Spruch. In Berlin wird er täglich wahr. Die Busspur bringt zum Ausdruck, dass öffentliche Verkehrsmittel privilegiert sein sollen – sie rollen am Stau vorbei und bringen die Fahrgäste schneller ans Ziel. So werden Leute, die den Bus nehmen, für ihr umweltfreundliches Verhalten belohnt. Wenn nun die Busse dauernd hinter den Radlern herzuckeln müssen, wird dieser Zweck konterkariert. Die Radler behindern die Busse nur. Deren Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h kommt ja nicht dadurch zustande, dass sie konstant 20 fahren, sondern dadurch, dass sie 40 oder 50 fahren, an den Haltestellen aber ständig anhalten. So ein Radler vor der Nase senkt den Schnitt. Und macht den öffentlichen Nahverkehr ein wenig langsamer und damit unattraktiver. Für die Radler selbst ist das Miteinander auch nicht ungefährlich. Dabei tun ja auch Radfahrer der Umwelt und ihrer Gesundheit etwas Gutes. Radler und öffentlicher Nahverkehr sollten einander gerade nicht in die Quere kommen. Berlin muss sich also eine Lösung einfallen lassen, wie die Stadt, mindestens aber die Innenstadt, radfahrerfreundlicher werden könnte, ohne den öffentlichen Nahverkehr zu behindern – sei es durch Radstreifen auf der Fahrbahn, sei es durch ordentliche Radwege. Auf die Busspur gehören Radler jedenfalls nicht. Spätestens nach dem ersten schweren Unfall wird die Debatte neu aufflammen. So weit sollte es nicht kommen. Fatina Keilani

Großartig. Jetzt haben Radfahrer seit Jahrzehnten gegen die Autofahrerlobby gekämpft und ihren Platz auf der sicheren Busspur erstritten. Es steigen mehr Menschen umweltfreundlich aufs Zweirad um, und es werden weniger Radfahrer im Autoverkehr schwer verletzt oder gar getötet. Und nun sollen die Radler wieder in den fließenden Verkehr der vielfach Rücksichtslosen eingefädelt werden? Das darf doch nicht wahr sein. Diese Zeilen schreibt übrigens eine leidenschaftliche Autofahrerin, die aber zumindest im Sommer immer häufiger und begeisterter aufs Mountainbike umsteigt. Seit sie das macht, ist sie am Tempelhofer Ufer gefühlt ein Dutzend Mal beinahe ins Jenseits befördert worden, weil PS-Boliden mit ein paar Millimetern Abstand überholten. Auf der Busspur am Landwehrkanal hat sie dafür nach dem Karneval der Kulturen beinahe ihre Reifen ruiniert wegen Scherbenhaufen und Splitterstücken. Üblicherweise hat man da aber freie Fahrt, und deswegen sollten Radfahrer bleiben dürfen. Radler sind heute dank moderner Technik flott unterwegs. Sollten sie als Schnecken tatsächlich den Betrieb stören, können Busfahrer sie sicher überholen, dafür ist anders als auf Autospuren genügend Platz. Und es ist nichts als ein schwacher Trost, wenn versprochen wird, es werde als Ersatz mehr Radwege auf den Fahrbahnen geben. Das erscheint unrealistisch. Der politische Wille, die Behördenmühlen wären doch noch langsamer als ein Radler auf der Busspur. Annette Kögel

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