PRO & Contra : PRO & Contra

Annette Kögel

Wir haben ja gerade Sommerferien, da darf man schon mal ein wenig den Blick schweifen lassen. Wenn man also als Reisende aus Berlin in Sydney landet, in Vancouver oder Los Angeles, sieht man überall auf den offiziellen Schildern unter anderem spanische und asiatische Schriftzüge – ein Entgegenkommen selbst der bei Migrationspolitik strengen Staaten wie Kanada zugunsten seiner Einwanderer.

Nun zurück in die internationale Heimatmetropole Berlin. Gut, hier kleben in einigen Behörden auch mal improvisierte Infozettel auf Türkisch. Aber in dieser Stadt sehen die Verwaltungsvertreter die Realität weniger klar. Schon als Deutschdeutscher kann man verzweifeln, wenn man Ämterformulare mit all dem Bürokratenfachchinesisch ausfüllen muss. Wie ergeht es da erst den arabisch-, russisch-, türkischstämmmigen Berlinern, so was kann doch keiner kapieren. Selbst wenn man noch so viele Sprachkurse besucht hat und guten Willens ist, schüttelt man bei Anträgen etwa zur Förderung der Kinder in Kita und Schule den Kopf.

Deswegen werden auch viele Leistungen erst gar nicht abgerufen. Wer jetzt verlangt, die sollen doch alle erst mal richtig Deutsch lernen, macht die gesellschaftlichen Nöte aus falschem Stolz nur noch schlimmer. Berlin muss wichtige Vordrucke auch in den in dieser Stadt gebräuchlichen Sprachen erstellen, nur so kann die Inklusion aller gelingen. Und irgendwann braucht man diese mehrsprachigen Formulare auch nicht mehr. Annette Kögel

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Amtssprache ist Deutsch. Wer vom Staat was will, muss es ihm also auf Deutsch mitteilen. Wenn ausländische Hartz-IV-Bezieher am Fragebogen scheitern und ihren Kindern damit Leistungen aus dem Bildungspaket entgehen, liegt die Frage nahe: Wie haben sie es dann geschafft, Hartz IV korrekt zu beantragen? Das ist ja auch Aufwand.

Es scheint also mehr eine Frage der Prioritäten zu sein. Bildungsfernen Schichten ist der Stellenwert von Bildung für die Zukunft ihrer Kinder oft gar nicht bewusst. Manche halten es sogar für normal, über Jahre vom Staat alimentiert zu werden. Und genau das macht die Sache jetzt doch nicht mehr so einfach. Beantragen sie die Leistungen nicht, spart das zwar erst mal Geld. Aber die Folgekosten sind viel höher: Wer ungebildet bleibt, liegt dem Staat weiter auf der Tasche. Und ist als Arbeitskraft verloren, die wir doch so dringend brauchen.

Vom Ergebnis her ist es also wünschenswert, diesen Kindern mit schlechten Startbedingungen möglichst viel Zugang zu Bildung zu ermöglichen, um ihren Horizont zu erweitern und sie langfristig aus dem unseligen Leistungsbezug auf eigene Füße zu stellen. Dafür sind Antragsformulare auf Arabisch oder Türkisch aber nicht das richtige Mittel. Dafür bedarf es mühseliger Aufklärung. Das deutschsprachige Formular auszufüllen, wird am Ende nicht das Problem sein. Hat ja bei Hartz IV auch geklappt. Fatina Keilani

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