PRO & Contra : PRO & Contra

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Wer den Olympia-Spirit auch nur einmal live erfahren hat, weiß, dass der Sport Unglaubliches für Stadt und Land bewegen kann. Olympische und Paralympische Spiele bergen für Berlin und Brandenburg ungeahnte Chancen, und die sollte sich die Region nicht entgehen lassen. Diese Stadt konnte das zuletzt bei beiden Fußball-Weltmeisterschaften spüren, als Berliner jeglicher Herkunft gemeinsam feierten und ihr Land der Welt locker und lebensfroh präsentierten. Schon 2006 eroberte sich die Sportnation die Deutschlandfahne von den Rechten zurück.

Berlin hat bewiesen, dass es anders als 2000 jetzt reif für Olympia ist. Die Voraussetzungen sind bestens: Viele Sportstätten sind vorhanden, es wären Spiele der kurzen Wege, und dass die Berliner die Hauptdisziplin Leichtathletik lieben, zeigen sie beim gut besuchten Istaf im Olympiastadion. Wenn auf dem stillgelegten Flughafen Tegel das Olympische und Paralympische Dorf entstünden, würde das zudem dem angespannten Wohnungsmarkt helfen.

Berlin sollte für seine Bewerbung offensiv auf die „Nolympics“-Fraktion in Politik und Gesellschaft zugehen. Bund und Länder wissen doch längst, dass Deutschland nur mit Berlin eine Olympia-Chance hat. Damit es heißt: And the winner is ... Berlin! Annette Kögel

Bei der Abstimmung im Internationalen Olympischen Komitee für Berlin als Austragungsort Olympischer Spiele bekam die Stadt beim letzten Versuch von 89 abgegebenen Stimmen gerade mal neun – eine krachende Niederlage. Und eine teure dazu. Die reine Bewerbung kostete 25 Millionen Euro, und nach ihrem Scheitern wurden weiter die für nötig gehaltenen Anlagen errichtet, was noch mal 400 Millionen Euro kostete. Die wir nicht hatten. Wenn man nun sicher sein könnte, dass man beim nächsten Mal gewinnt und die Spiele per Saldo mit Profit abschließt, dann könnte man über eine neuerliche Bewerbung reden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Zu dilettantisch, zu wenig überzeugend, die Konkurrenz zu stark: Berlin würde wieder gepumptes Geld in die Bewerbung pumpen und womöglich scheitern. München hat es gerade gezeigt. Die Bewerbungsgesellschaft hat 6,8 Millionen Euro Miese gemacht. Fast kann man sagen: zum Glück, denn für die Organisation der Spiele hatte sie 1,3 Milliarden veranschlagt. Milliarden! Auch wenn der Bund einen Teil trägt: So lange es Staatsgeld ist, kommt es vom Steuerzahler. Das soll kein Plädoyer gegen Olympia sein, aber eins gegen die Finanzierung unsicherer Großprojekte in einer Zeit der Haushaltsnot. Denn für die meisten Austragungsorte war Olympia ein Verlustgeschäft. Fatina Keilani

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