PRO & Contra : PRO & Contra

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So ist das leider in Berlin: Was viele oft mühe- und liebevoll aufbauen, wird von wenigen in der Regel umgehend beschmiert oder zerstört. Wie jetzt wieder im neu eröffneten Park Gleisdreieck. Ob es Vandalen sind, die nichts im Kopf haben, oder Spinner, die meinen, auf diese Weise protestieren zu müssen, weil sie sich eine andere Anlage vorgestellt haben, ist dabei egal. Denn mit Argumenten ist da generell nichts auszurichten.

Deshalb muss es möglichst schwer gemacht werden, sich so auf Kosten der Allgemeinheit auszutoben. Ja, ein abschließbares Gelände kann dabei helfen. Dies zeigt sich bereits am ehemaligen Flughafen in Tempelhof. Und der Park am Gleisdreieck ist schon zum Teil von Mauern und Zäunen umgeben, so dass die gelungene Anlage ohne viel Aufwand geschützt werden kann. Am Morgen einen Park ohne Graffiti, zerschlagene Flaschen oder wahrscheinlich bald auch gebrauchte Spritzen vorzufinden, ist mehr wert als die vermeintliche Freiheit einiger, dort nachts Gelage abzuhalten. Und selbst wenn der Durchgang dann nicht mehr möglich ist, wäre dies zu verschmerzen.

Wer will schon wirklich nachts durch eine Anlage gehen oder mit dem Rad fahren, die völlig ungeschützt und auch noch fast menschenleer ist? Dieser aufwendig angelegte Park ist jedenfalls viel zu schön, um ihn einfach Chaoten und Vandalen zu überlassen. Abschließen ist besser als aufgeben. Klaus Kurpjuweit

Wer sich häufiger im Mauerpark aufhält, kann über die Diskussion über den neuen Park am Gleisdreieck nur schmunzeln. Besucher des Areals zwischen Prenzlauer Berg und Wedding sind Schlimmeres gewohnt als das, was man jetzt aus Kreuzberg hört. Müll, Grillreste, Brandflecken, Scherben, Schmierereien prägen das Bild vor allem nach den Wochenenden. Schön ist das nicht, zugegeben. Und trotzdem geht man auch am nächsten lauen Sommerabend gerne wieder in den Mauerpark. Nur weil es aussieht wie auf einer Müllkippe, lassen wir uns doch nicht davon abhalten, eine gute Zeit zu haben. Diejenigen, die den Mauerpark trotz seines wilden Aussehens mit Leben füllen, machen aus der Not eine Tugend. Gerade an den Wochenenden, wenn Karaoke und spontane Konzerte, Freiluft-Partys und der Flohmarkt die Menschen in Scharen anziehen, vergisst man nach kurzer Zeit, wie verrottet und ungepflegt der Park ist. Er ist ein lebendiger Ort der Begegnung, auch wenn er nicht aussieht wie der Kurpark von Bad Harzburg. Natürlich kann man darauf hinweisen, dass es woanders ja auch geht. Mag schon sein, aber dafür ist dort eben nicht Berlin und hier, zum Glück, nicht Bad Harzburg. Vielleicht sollten wir uns einfach damit abfinden, dass Parks hier nun mal so aussehen wie sie aussehen und damit leben, dass von unseren Steuern bezahlte Putz- und Reparaturkolonnen sie regelmäßig wieder benutzbar machen. Jede Stadt hat die Parks, die zu ihr passen. Lars von Törne

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