PRO & Contra : PRO & Contra

Sigrid Kneist

Die Entscheidung ist lange überfällig. Grillen im Tiergarten – das geht einfach nicht. Seit wie vielen Jahren ärgern wir uns über die Müllberge und die verwüstete Wiese, in der sogar Gruben ausgehoben wurden, um ganze Lämmer und Spanferkel am Spieß zu drehen? Und was hat der Bezirk nicht alles versucht, die Griller dazu zu bringen, ihrer Brutzelleidenschaft so zu frönen, dass der Park nicht in Mitleidenschaft gezogen wird? Alle Appelle, Ermahnungen, Geldbußen blieben folgenlos.

Wer nicht begreifen will, dass glimmende Kohlereste in Metallcontainer und nicht auf den Rasen gekippt gehören, wer seinen Müll nicht mitnehmen will, sondern an Ort und Stelle zurücklässt, muss mit der Konsequenz, nämlich dem Grillverbot im gesamten Tiergarten, leben. Es ist beileibe nicht so, dass hier ein Großteil vorbildlicher Griller unter dem Verhalten einiger weniger Unbelehrbarer leiden muss. So viele Ordnungsamtsmitarbeiter wie nötig konnte der Bezirk gar nicht in den Park schicken.

Ein generelles Verbot wird sich leichter durchsetzen lassen, als Müllsünder zu bestrafen. Es bedeutet keine unbillige Härte für jene, die keinen eigenen Garten nutzen können, sondern auf den Park angewiesen sind. Feiern, große Picknicks oder Familientreffen sind dort doch weiter möglich – und zwar an der wirklich frischen Luft. Um gut zu essen, braucht man nicht zwangsläufig ein offenes Feuer. Aber seinen Dreck wegräumen, das sollte man immer. Sigrid Kneist

Gartenbesitzer haben gut reden. Sie können jederzeit in heimischer Idylle ihre Würstchen braten und sich dabei über die Vermüllung öffentlicher Parks beschweren, in denen das Grillen noch erlaubt ist. Ja, der Ärger ist verständlich über den Dreck, der regelmäßig von gedankenlosen Barbecue-Clans zurückgelassen wird. Trotzdem ist das angekündigte Grillverbot für den zentralen Park Berlins unsozial, denn er beschneidet die Lebensqualität vieler Menschen, für die der Große Tiergarten das kleine Wochenendglück ist. Es verschwindet damit auch ein Stück Stadtkultur. Denn es ist ja nicht so, dass die würzigen Düfte stören oder die gut gelaunten Familien und Freundeskreise auf den bunten Picknickdecken. Sie beleben den Park, so wie die Jogger, Radler und Kicker, die Frisbeewerfer und Sonnenanbeter. Es gibt kein Grillproblem im Tiergarten, sondern ein Müllproblem. Und das lässt sich lösen. Ein paar Ordnungskräfte mehr, ausreichend große Container, eine Kostenbeteiligung über Tickets für die Grillareale und saftige Bußgelder für jene, die verschwinden, ohne vorher aufzuräumen. Stattdessen muss das Ordnungsamt ab nächstem Frühjahr Schilder aufstellen, Infozettel verteilen und genügend Personal bereitstellen, um das bezirkliche Grillverbot täglich und flächendeckend durchzusetzen. Was für ein bürokratischer Unsinn! Und nicht vergessen: Vermüllte Parks gibt es in Berlin auch dort, wo schon lange nicht mehr gegrillt werden darf. Ulrich Zawatka-Gerlach

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