PRO & Contra : PRO & Contra

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Es ist kein Wunder, dass der Ausbau der A 100 von den Berlinern im Osten der Stadt mit großer Mehrheit unterstützt wird. Denn das Autobahnprojekt bindet die Stadtregionen von Treptow über Friedrichshain bis Lichtenberg und Hohenschönhausen endlich an die seit Jahren gut gebündelten Verkehrsströme im Westen Berlins an. Wer in Charlottenburg oder im Süden Reinickendorfs wohnt, muss kein Autofetischist sein, um die segensreiche Wirkung des Autobahnrings für Wohnquartiere und die City-West zu erkennen. Auto fahren lässt sich nun mal nicht verbieten. U- und S-Bahn, ein dichtes Radwegenetz werden auch in Zukunft nur einen Teil des Mobilitätsbedarfs decken, den eine Millionenstadt und ihr Umland zwangsläufig generieren. Niemand lässt sein Fahrzeug stehen, weil er durch staatlichen Autobahnentzug bestraft wird, das wissen inzwischen auch fachkundige Grüne. Aber man kann den Verkehr steuern und neu organisieren. Eine Verlängerung der A 100 bis zur Frankfurter Allee würde nicht nur umliegende Kieze entlasten, sondern auch einen Teil des Verkehrs aus der Stadtmitte ableiten, jedenfalls soweit er Durchgangsverkehr ist. Es macht zwar Sinn, ein so gewaltiges Bauprojekt in zwei Abschnitten zu realisieren. Schon wegen der hohen Kosten. Aber es macht wenig Sinn, es bei einem halbfertigen Provisorium zu belassen. Wenn schon, denn schon. Ulrich Zawatka-Gerlach

Die heraufziehende rot-schwarze Koalition lässt 1960er-Jahre-Träume wahr werden und baut drei neue Autobahnkilometer durch die Stadt: Das eine Ende am allmorgendlich verstopften Britzer Tunnel, das andere vor einer ebenso überlasteten Spreebrücke. Macht 420 Millionen Euro, aber für sich genommen wenig Sinn. Das wissen selbst die Beteiligten – und flüchten sich vor dieser Wahrheit in noch kühnere Träume: Weiterbau bis zur Frankfurter Allee! Dafür müsste entweder der halbe Stralauer Kiez abgerissen oder ganz große Ingenieurskunst vollbracht werden. Von der – optisch sicher attraktiven – Überbrückung der Spree muss die Trasse unter dem Ostkreuz durchtauchen und aus einem doppelstöckigen Tunnel auf die Frankfurter Allee münden, an der nur leider schon das Ringcenter steht. Aber da kriegt man bestimmt etwas Hübsches gebastelt, wie es einst am Innsbrucker Platz oder ums ICC gelungen ist. Wenn die Autobahn erst da ist, kann mangels Laufkundschaft das Center abgerissen werden. Eine Milliarde Euro dürfte die Piste wohl kosten, aber das sollte sie uns wert sein – zumal die öffentlichen Kassen bekanntlich überquellen, statistisch fast jeder dritte Berliner ein Auto hat (die Autobegeisterung in Friedrichshain ist legendär!) und das Öko-Gedöns von BVG bis Fahrradfahren ohnehin überbewertet ist, nicht wahr. Im Ernst: Hoffentlich wachen die Langzeitträumer auf, bevor es zu spät ist. Stefan Jacobs

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