PRO & Contra : PRO & Contra

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Wenn es gegen Brüssel geht, sind sich hierzulande alle einig. Man ist ja selbst nicht schuld und schon deshalb aus dem Schneider und kann endlich mal populistisch sein. Wie wohlfeil! Der Mainstream lässt grüßen. Anstatt erst einmal fünf Minuten darüber nachzudenken, warum die EU-Hygiene-Richtlinien auch für Tagesmütter erlassen wurden – übrigens schon im Jahr 2004 – wird alles in Bausch und Bogen niedergemacht: „Bürokratie“, „Schwachsinn“ oder gar „Schikane“.

Sicher kann man die eine oder andere Forderung für übertrieben halten – generell aber hat es Sinn, dass Menschen, denen Kinder anvertraut werden, ganz besondere Voraussetzungen erfüllen müssen. Man stelle sich nur einmal vor, was passieren würde, wenn Kinder durch Unachtsamkeit oder Unwissenheit einer Tagesmutter zu Schaden kämen. Viele, die jetzt gegen Brüssel zu Felde ziehen, würden dann fragen, wie das passieren konnte: Warum nicht geschult wurde. Warum keine Kontrollen erfolgten. Warum es keine Richtlinien für den verantwortungsvollen Beruf der Tagesmutter gibt.

Wenn die EU zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beiträgt, soll man sie daher nicht schelten. Übertreibungen und Sinnlosigkeiten muss man ja nicht übernehmen. Auch wenn uns Politiker etwas anderes glauben lassen wollen: Es bleibt den Mitgliedstaaten überlassen, wie sie die EU-Richtlinien umsetzen. Sie haben durchaus einen – vernünftigen – Spielraum. Sandra Dassler

Morgen gibt es Dosensuppe. So wie gestern und heute; sicher ist sicher. Außerdem lässt sich das Etikett von einer Dose leichter aufbewahren als das Sammelsurium der Verpackungen einer kompletten Mahlzeit mit Gemüse, Fleisch, Soße und Sättigungsbeilage. Finger weg vor allem von gemischtem Salat! Außerdem schafft die Dosenvariante Zeit zur Dokumentation der Kühlschranktemperatur.

Dazu ein Insider-Tipp: Schreiben Sie nie mehr als 6 Grad Celsius in den Vordruck, auch wenn es mal 16 waren oder Sie gar kein Kühlschrankthermometer haben. Ganz wichtig ist auch, die Küchenreinigung akribisch zu dokumentieren. Das ist künftig wichtiger, als die Küche wirklich zu putzen, zumal ja sonst kaum noch Zeit bleibt, sich um die Tageskinder zu kümmern. Denn in Zukunft zählt nicht mehr der gesunde Menschenverstand etwa der Eltern, die ihr Kind täglich bringen und abholen und dabei auch mal einen Blick ins Quartier der Tagesmutter werfen, die sie selbst ausgesucht haben und mit mehreren hundert Euro im Monat bezahlen.

Es schadet sicher nicht, Tagesmütter regelmäßig zu schulen und sporadisch einen unangemeldeten Kontrolleur vorbeizuschicken. Aber in Zukunft zählt die Bürokratie, die nicht nur lästig ist, sondern durch die absurde Selbstkontrolle sogar lächerlich. An der lokalen Umsetzung der EU-Richtlinie wird sich zeigen, ob zumindest die Berliner Ämter noch das wahre Leben kennen. Stefan Jacobs

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