PRO & Contra : PRO & Contra

von

Freitag, 23 Uhr, Ringbahn: Ein Rückkehrer vom verlorenen Hertha- Spiel erklärt seinen Kumpels, warum die drei Neonazis von der Zwickauer Mörderbande gar nicht so verkehrt gelegen haben und Hitler gleich gar nicht. Alle in dem vollen Waggon müssen es mit anhören, aber keiner greift ein, weil der Mann betrunken ist und niemand im Krankenhaus enden möchte, weil er in der Bahn die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigt hat. Drei Tage vorher, ähnliche Zeit, andere Linie: Ein Jungspund lässt entkräftet die Bierflasche zerschellen und kotzt vor dem Aussteigen den Zug voll. Und am Sonntag meldet die Münchner S-Bahn, dass 50 Züge leider in die Werkstatt müssen, nachdem sie beim Abschiedssaufen am Vorabend verwüstet wurden. Soweit die vergangenen Tage. Die Aufzählung ließe sich beliebig ergänzen – etwa durch den Fall des volltrunkenen Torben P., dessen Opfer knapp überlebte. Ein Alkoholverbot in Bus und Bahn würde die Gefahr, an solche Leute zu geraten, deutlich senken. Von den „Argumenten“ der Verantwortlichen ist nur eines plausibel: Die Durchsetzung erfordert Aufwand. Es gilt, ein Gewohnheitsrecht der besonders üblen Art zu brechen. Auf der Gegenseite stehen jährlich ein paar Millionen Euro Schäden, einige Verletzte und viele Leute, die bisher aus Angst nicht Bus und Bahn fahren. Ist es wirklich so schwer zu entscheiden, was wichtiger ist? Stefan Jacobs

Schon wieder ein neues Verbot, das erstens überflüssig und zweitens sowieso nicht durchsetzbar ist: Überflüssig, weil man gegen das, was es eigentlich bewirken soll, auch so vorgehen kann. Prügeln, Randalieren, Pöbeln oder auch nur ruhestörender Lärm könn(t)en schon jetzt verfolgt oder bestraft werden. Dafür gibt es Gesetze und Verordnungen. Außerdem dürften die wenigsten, die entsprechend kriminell oder belästigend auftreten, sich erst in der Bahn oder im Bus betrinken. Und bereits angetrunkene Fahrgäste können auch schon jetzt von der Fahrt ausgeschlossen werden. Das Problem sind also nicht fehlende Verbote sondern fehlende Kontrollen beziehungsweise Kontrolleure. Deshalb wäre das Alkoholverbot nicht durchsetzbar und reichlich populistisch – ungefähr so, als würde man an einer stehenden S-Bahn herumruckeln, damit die Fahrgäste drinnen das Gefühl haben, es gehe vorwärts.

Außerdem: Wer je beim Angeln an einem norwegischen Strand 1000 Kronen (130 Euro) für das in der Öffentlichkeit verbotene Trinken eines Bieres zahlen musste, weiß die deutsche Liberalität zu schätzen. Leider wird diese zunehmend eingeschränkt, um mehr Sicherheit im öffentlichen Leben vorzugaukeln. Dafür reicht allerdings ein Alkoholverbot nicht aus. Verboten werden müssten dann konsequenterweise auch andere Drogen, aber auch zu wenig Schlaf oder einfach nur schlechte Laune. Sandra Dassler

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben