PRO & Contra : PRO & Contra

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Nicht jeder Fehler lässt sich im Nachhinein beheben. Insofern ist die aktuelle Diagnose ein Wink des Schicksals: Wenn die Gleisanlagen am Hauptbahnhof nach nur sechs Jahren saniert werden müssen, ist das die Gelegenheit, die schon seit 2006 fertigen Scheiben aus dem Depot zu holen und das Dach zu vollenden. Das bisherige Hauptargument dagegen, nämlich die Sperrung der Strecke, hat sich angesichts der nun ohnehin fälligen Arbeiten erledigt. Die Kosten sind harmlos im Vergleich zu der Milliarde, die das Bauwerk gekostet hat. Wie gut jenes Geld angelegt war, zeigt der stete Strom begeisterter Besucher: Der Hauptbahnhof zählt zu Recht zu Berlins bedeutendsten Sehenswürdigkeiten.

Wenn die Bahn das Geld fürs Dach in die Hand nähme, könnte sie ihr Image nicht nur bei den Touristen pflegen, sondern auch bei den Berlinern, die sie seit Jahren mit dem Chaos bei der S-Bahn drangsaliert. Natürlich wäre das Geld auch in all den Stationen quer durch die Stadt gut angelegt, die die Bahn verkommen und versiffen lässt. Aber man wird ja bescheiden – und wäre deshalb froh, wenn wenigstens der Hauptbahnhof nicht mehr den Eindruck vermittelt, dass die Bahn wirklich an allem spart. Dass der Bahnhof allmählich zwischen Betonkisten im Kreissparkassenstil verschwindet, ist zwar schade. Aber wer auf sein eigenes Äußeres nicht mehr achtet, weil die Nachbarn ebenfalls verlottern, gibt sich auf. Stefan Jacobs

Es hat was Berlinisches, zu unserer geerdeten Hauptstadt passendes, dass es hier die Reisenden der 1. Klasse trifft. Denn sie sind es meistenteils, die wegen des verkürzten Dachs am Hauptbahnhof im Regen stehen. Noch einmal bis zu 58 Millionen Euro Steuergeld in die Hand nehmen, um auch diesen Herrschaften einen trockenen Abgang zu sichern? Nüschte!

Bei Bedarf einen Regenservice anzubieten, das entspräche korrekter Berlindialektik. Reisenden gegebenenfalls einen Schirm in die Hand zu drücken oder sie kurz und unkompliziert mit aufgespanntem Schirm zu begleiten – das hätte etwas jovial Zupackendes, unservil Serviceorientiertes, alltäglich Zuvorkommendes, das besser zu unserer Bahn und zu unserer Stadt passt als alle bemühten Freundlichkeitsoffensiven.

Wenn die Bahn irgendwann doch noch ein bisschen Geld ausgeben will, dann sollte sie sich eines anderen Hauptbahnhofsproblems annehmen. Vor allem im Untergeschoss ist es saukalt, und es zieht. Zugluft in geschlossenen Räumen ist viel tückischer, als sich kernig unter freiem Himmel zu bewegen. Dass auf den unteren Bahnsteigen eine gewölbeartig einzuziehende Decke helfen könnte, wie in der ursprünglichen Gerkan’schen Planung vorgesehen, daran zweifeln Experten. Aber es wäre gut, noch ein paar beheizte Aufenthaltsräume zu schaffen oder zumindest hier und da noch einen windgeschützten Bereich. Utopisch teuer wäre das nicht.Markus Hesselmann

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