PRO & Contra : PRO & Contra

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Wenn es darum geht, über die Zukunft der eigenen Kinder zu entscheiden, stehen die Eltern natürlich an erster Stelle. Das gilt auch für die schwierige Frage, welche schulische Karriere anzupeilen ist. Aber: Das Elternrecht, der freie Elternwille setzt voraus, dass Mutter und/oder Vater die hohe Verantwortung erkennen, die damit verbunden ist. Wer der Versuchung erliegt, unerfüllte Lebensträume auf die Tochter oder den Sohn zu projizieren oder die Meinung vertritt, dass nur das Gymnasium ein standesgemäßer Lernort ist, tut dem eigenen Sprössling keinen Gefallen. Denn zu versagen, ist auch für Kinder eine schlimme Erfahrung, die das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude nachhaltig trübt. Das schulische Scheitern im Nachhinein zu reparieren, ist in jedem Fall schwieriger, als auf der Bildungskarriereleiter einen kleinen Schritt nach dem anderen zu machen. Spätestens seit das Abitur nach zwölf Jahren absolviert werden muss, sind die Gymnasien wenig beschauliche Leistungsmaschinen, die auf individuelle Schwächen von Schülern wenig Rücksicht nehmen. Die Idee, mit einer Art Numerus clausus oder anderen geeigneten Mitteln die Leistungsfähigkeit der Schüler realistisch abzuschätzen, hat deshalb mit Elitedenken nichts zu tun. Es ist kein Aussiebprogramm, sondern ein Schutzmechanismus. Ulrich Zawatka-Gerlach

Das Ziel ist klar: Jedes Kind soll auf die Schule gehen, auf der es seine Talente bestmöglich entfalten kann. Es soll gefordert, aber nicht überfordert werden. Doch wie ist dieses Ziel zu erreichen? Richtig ist sicher, dass Eltern bei der Beurteilung ihrer Kinder nicht objektiv sein können und dass ihre Einschätzung von deren Fähigkeiten zum Teil von Wunschdenken genährt wird. Da könnte ein Numerus clausus, der sich am Notendurchschnitt ausrichtet, etwas Objektivität hineinbringen. Andererseits sind auch Lehrer nicht objektiv. Es ist gut möglich, dass dasselbe Kind an einer anderen Grundschule einen ganz anderen Notenschnitt erreicht hätte. Und ebenso gut möglich ist es, dass ein Kind an einem Gymnasium scheitert, an einem anderen aber erfolgreich ist. Es spielen eben immer viele weiche Faktoren mit, vom Mobbing durch Mitschüler bis zum Verhältnis zum Lehrer. Auf dem Arbeitsmarkt hat man das längst erkannt; Firmen machen mittlerweile Eignungstests und erleben manche positive Überraschung mit Schülern, deren Zeugnisse nicht viel erwarten ließen. Zudem gibt es jetzt schon Gymnasien, die Zugangsbeschränkungen haben, da sie sehr stark nachgefragt sind, während andere jedes Kind nehmen, um nicht in ihrer Existenz als Schule bedroht zu sein. Ein NC für alle würde der Sache also nicht gerecht. Eine Patentlösung kann hier nicht angeboten werden – im NC liegt sie jedenfalls nicht. Fatina Keilani

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