PRO & Contra : PRO & Contra

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Die Straße des 17. Juni ist die Feiermeile, um die uns alle Städte in Deutschland und wohl auch die meisten im Ausland beneiden. Erst kamen die Silvesterpartys und 2006, unvergessen, das Sommermärchen der Fußballweltmeisterschaft. Erst flimmerten die Bilder von diesem Spektakel um die Welt, und dann kam die ganze Welt zu Besuch. Der unglaubliche Erfolg Berlins als Touristenziel beruht zu einem guten Teil auf diesen Bildern. Nicht nur junge Leute fliegen auf und nach Berlin. Mit Geld hätten die Tourismuswerber sich dies nicht kaufen können. Vor 15 Jahren kamen drei Millionen Besucher an die Spree, mittlerweile sind es zehn Millionen. Und die lassen Milliarden Euro in der Stadt. Mit einer Silvesterfeier im Mauerpark oder einer Fanmeile in Gatow hätte Berlin dies nicht geschafft.

Die Sponsoren brauchen einfach die (Fernseh-)Bilder dieser Straße mit Siegessäule an einem Ende und Brandenburger Tor am anderen. Seit 25 Jahren läuft der Marathon über den 17. Juni, ein unglaublicher Erfolg. In diesem Jahr rasen zum fünften Mal 15 000 Rennradfahrer beim Velothon dort ins Ziel, ein Riesenerfolg. Die Straße ist wie geschaffen für die Fußballfanmeile; Autofahrer haben genug Straßen in Berlin. Jörn Hasselmann

Irgendwie scheint man in dieser Stadt zu glauben, für alles gebe es ein Gewohnheitsrecht. Nach dem Motto, was einmal gut war, muss es immer wieder aufs Neue geben. Genauso verhält es sich auch mit der Fanmeile auf der Straße des 17. Juni. Diese war wirklich bei ihrer Premiere im Sommer 2006 ein Knaller – ein tolles Erlebnis. Aber damals waren die Rahmenbedingungen andere. Die wichtigste: Die WM fand im eigenen Land statt – und das ganze Land schwelgte in diesem wunderschönen Sommer in einem Fußballrausch. Die WM wurde eben nicht nur in den Stadien, sondern auch auf den Straßen gelebt.

So eine Stimmung lässt sich nicht einfach wiederholen. Das zeigten die folgende Europameisterschaft und auch die WM vor zwei Jahren. Die Fanmeile war nur noch ein Abklatsch dessen, was sie beim Sommermärchen 2006 gewesen war. Ein Turnier in einem anderen Land ist eben doch etwas anderes. Deswegen ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Fanmeile in diesem Jahr das große Top-Ereignis sein wird. Berlin braucht sie auch nicht; es gibt in der Stadt so viele großartige Möglichkeiten, gemeinsam Fußball zu sehen. Gönnen wir dem Tiergarten und der Straße des 17. Juni ein wenig Pause vom Feiern. Sigrid Kneist

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