PRO & Contra : Reicht eine Elefantenrunde?

Unsere Autoren stellen ihre Argumente dafür und dagegen vor.

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PRO

Wir Wähler wollen wissen, was unsere Parteien wollen, wenn es auf den Wahltag zugeht. Dazu gehört, die Spitzenkandidaten ins Kreuzverhör zu nehmen. Aber nur in Zweier- oder höchstens Dreierrunden. In großer Packungsgröße werden nicht nur Politiker schwer genießbar. Talkshows, in denen alle durcheinander reden – oh Gott! Veranstaltungen mit einem Podium, das so breit ist wie eine Kinoleinwand – ach herrjeh! Das gilt auch für Fünferrunden vor der Berliner Wahl. Jeder Spitzenkandidat spricht drei mal fünf Minuten, kaum zu stoppen vom gestressten Moderator. Dann fragen die Zuhörer durcheinander und schon sind zwei Stunden herum. Was hat man gelernt in dieser Zeit, um die eigene Wahlentscheidung zu unterfüttern? Es ist doch viel informativer, wenn ein Kandidat allein öffentlich gezwirbelt oder zwei Kandidaten aufeinander losgelassen werden. Dass der SPD-Spitzenkandidat Wowereit dies ähnlich sieht, macht diese These nicht falsch. Es war übrigens der damalige Kanzler Kohl, der sich ab 1990 weigerte, vor Bundestagswahlen an Elefantenrunden in ARD und ZDF teilzunehmen. Als die Tradition 2005 einmalig wiederbelebt wurde, war die Publikumsresonanz recht gering. Ulrich Zawatka-Gerlach

& Contra

Bürgernähe ist wichtiger denn je – auch im Wahlkampf. Untersuchungen zufolge wissen viele Berliner noch nicht einmal, ob sie überhaupt wählen gehen. Umso wichtiger ist die Elefantenrunde, bei der die Kandidaten ihr Repertoire und ihre Persönlichkeit unter Beweis stellen müssen. Es ist spannend, wie sie miteinander umgehen und aufeinander reagieren. Und selbst wenn ihre Versprechen und Ankündigungen oft gehört wurden, können Zuschauer daraus leichter interpretieren, welche Regierungsvarianten für sie denkbar sein könnten. Und die Frage, die sich in jedem Fall stellt: Nehmen die Wähler ihnen ihr Image und ihre Worte ab? Der erste Eindruck zählt und den können sich die Wähler bei einer Elefantenrunde machen. Aber dafür sind mehr als 45 Minuten nötig. Eine Runde reicht nicht aus, in der alle Kandidaten ihr Programm für die Zuschauer verständlich diskutieren können. Die Linke hat die Redezeit aller drei vom RBB geplanten Sendungen zusammengerechnet: Wowereit käme auf 54, Henkel und Künast auf 31,5 Minuten und FDP-Kandidat Meyer und ihr eigener Kandidat Wolf jeweils auf neun Minuten. Bei so wenig Redezeit bleibt das Programm am Ende unverständlich und intransparent. Hadija Haruna

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