PRO & Contra : Soll das Land für Sicherheit in der BVG mehr zahlen?

Sandra Dassler

PRO


Die Angst fährt immer mit“, sagen Fahrer der BVG wie Passagiere, die Zeugen oder gar Opfer von Übergriffen wurden. Man muss kein Hasenfuß sein, um diese Angst nachvollziehen zu können. Es gibt inzwischen genügend ältere Berliner, die ein Taxi nehmen, wenn sie Freunde oder Veranstaltungen besuchen und abends zurück in ihren Kiez müssen. Es gibt viele Eltern, die ihre fast erwachsenen Kinder lieber mit dem Auto in der Diskothek abholen, als sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und damit in Gefahr zu wissen. Sie alle zahlen drauf für ein wenig Sicherheit. Wer das Geld nicht hat, muss die Angst in Kauf nehmen. Oder zu Hause bleiben. Seinen Bürgern Sicherheit zu gewähren, gehört aber zu den ureigenen Aufgaben des Staates, und deshalb ist die Ignoranz des Senats nicht nur eine Ohrfeige für Fahrer und Kontrolleure: Sie zeugt auch von Gleichgültigkeit gegenüber den Ängsten der Berliner – und ihrer Gäste. Wenn in den Reiseführern über die deutsche Hauptstadt erst Warnungen vor dem Fahren mit der BVG stehen, ist es vorbei mit dem Ruf Berlins als fröhlicher Partystadt. Öffentliche Gelder für öffentliche Sicherheit auszugeben ist keine Verschwendung. Zu verhindern, dass man in der U-Bahn plötzlich ein Messer an der Kehle hat, ist allemal sinnvoller, als Beamte zu schicken, weil irgendwo jemand raucht oder ein ungenehmigter Heizpilz steht. Sandra Dassler

Contra
Das Land bezahlt den Verkehrsbetrieben BVG und S-Bahn jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro. Bei der BVG reicht das Geld unter anderem für einen Verwaltungswasserkopf und bei der S-Bahn für achtstellige Überweisungen an den Bahnkonzern. Es gibt also Reserven, die anzuzapfen vielleicht sinnvoller wäre, als gleich wieder beim Land zu schnorren. Wem wäre denn geholfen, wenn noch ein paar Schwimmhallen geschlossen oder Schulen verfallen würden und dafür in jeder Bahn ein Aufpasser sitzt? Bestimmt nicht den Fahrgästen, die in Wagen fünf oder Wagen eins auf die Mütze bekommen, während der Hilfssheriff gerade präventiv in Wagen zwei weilt. Auch nicht den Busfahrern, die allein schon wegen ihrer Zahl gar nicht komplett vor Angriffen geschützt werden können. Außerdem sind einzelne Täter so brutal, dass sie einen Sicherheitsmann eher als Herausforderung denn als Abschreckung wahrnehmen würden.

Abschreckung ist, wenn ein paar Stunden nach der Tat die Polizei beim Täter klingelt und der Haftrichter dank des Videobeweises gleich ein Quartier mit harter Pritsche in Moabit verordnet – wie vor wenigen Tagen geschehen. Das Beispiel hat auch gezeigt, wer zuständig ist: Zunächst die BVG und im Ernstfall Polizei und Justiz. Für all das bezahlt das Land bereits. Alles Weitere wäre billiger Populismus für teures Geld. Stefan Jacobs

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