Pro & Contra : Soll das Tempelhofer Feld auch nachts offen bleiben?

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PRO

Das ist die Magie von Berlin: Der Moment der Geschichte, der nicht wiederkehrt und den es zu nutzen und auszukosten gilt. Man erinnere sich an 1995, den verpackten Reichstag. Ein Augenblick des Zaubers, zeitlich klar begrenzt, denn danach begann der Umbau zum heutigen Parlamentssitz. Zwei Wochen, die sich in dem Gedächtnis der Stadt eingeprägt haben. Mit Tempelhof könnte es ähnlich werden. Schmerzhaft war für viele der Abschied von der Nutzung als Flughafen, bald wird auf dem Feld gebaut, dann ist wieder alles anders. Aber jetzt – jetzt ist Sommer, und warum soll das Feld nicht Schauplatz herrlicher Picknicks und abenteuerlicher Zeltübernachtungen, gelebter Freiheit und ausgeschöpfter Weite sein? Es ist ja nicht für immer. Natürlich könnten Randalierer, Müll-Ferkel und andere Störer unwillkommene Begleiterscheinungen sein. Aber es ist auch nicht einzusehen, dass immer die Mehrheit auf etwas Schönes verzichten soll, weil Regeln auf die lästige Minderheit zugeschnitten werden. Dann lieber flexibel bleiben – und das Feld offen lassen, aber deutliche Schilder aufstellen, die deutlich darauf hinweisen: Wenn es hier friedlich bleibt, lassen wir das Feld auf. Wenn aber Müll herumliegt und Randale passiert, dann machen wir es dicht. So hat jeder Einfluss drauf, und die Buhmänner sind die, die es verdienen. Fatina Keilani

CONTRA

Es gibt für Menschen ohne eigenen Garten zwei Möglichkeiten, Neukölln im Grünen zu erleben. Nummer eins ist die Hasenheide. Und Nummer zwei der Britzer Garten. Wo laden die Wiesen mehr zum Picknick ein? Wo bleibt man von Hunden und Tretminen verschont? Wo stehen intakte Bänke? Wo nerven keine Drogendealer? Ergebnis: vier zu null für den Britzer Garten. Dessen einziger Nachteil ist, dass er Eintritt kostet, auch wenn es nur zwei Euro am Tag oder 20 fürs Jahr sind. Wenn jetzt das Tempelhofer Feld geöffnet wird, kommen alle Vorteile zusammen: Ein riesiger Park, der gepflegt wird und trotzdem keinen Eintritt kostet. Man glaubt es kaum in diesen Zeiten, dass einem der Senat so etwas schenkt. Geöffnet von der Morgen- bis zur Abenddämmerung, also im Sommer etwa 17 Stunden täglich. Deshalb soll jetzt niemand so tun, als wäre die nächtliche Schließung eine Schikane. Nein, sie ist die einzige Chance, die neue Tempelhofer Freiheit vor der Verwahrlosung zu retten. Wer soll denn sonst die Scherben und Aschehaufen der durchfeierten Nächte wegräumen? Es wäre nur eine Minderheit, die von der Öffnung rund um die Uhr profitieren würde. Aber die unerfreulichen Folgen würden alle zu spüren bekommen. Deshalb ist die nächtliche Schließung auch ein ausgesprochen demokratischer Akt. Stefan Jacobs

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