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Pro & Contra : Soll das wilde Gärtnern in der Stadt erlaubt sein?

10.04.2011 10:40 Uhrvon , , Laura Höss
Mit grünem Daumen. Überall in der Stadt sind Anwohner gärtnerisch aktiv. Sie pflanzen auf Brachen oder auf Gehwegen. Für manche Stadtkinder ist es die erste Möglichkeit, selber einmal eine Blumenzwiebel zu setzen oder Gras zu säen. Foto: Kitty Kleist-HeinrichBild vergrößern
Mit grünem Daumen. Überall in der Stadt sind Anwohner gärtnerisch aktiv. Sie pflanzen auf Brachen oder auf Gehwegen. Für manche Stadtkinder ist es die erste Möglichkeit, selber... - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin kann immer weniger Geld für die Instandhaltung von Parks ausgeben. Doch auf Brachen und Gehwegen grünt und blüht es - oft auf Initiative von Anwohnern. Das gefällt nicht jedem. Ein Pro & Contra.

Ob Blumenzwiebeln im sogenannten Prinzessinnengarten am Moritzplatz gesetzt oder in öffentlichen Gärtner-Happenings vom Bund Naturschutz „10 000 Tulpen für Berlin“ bereitgestellt werden – vielerorts werden die Bürger gärtnerisch aktiv, wenn es die Stadt nicht mehr tut. Die Bezirke können immer weniger Geld für die Instandhaltung und Neubepflanzung von Parks ausgeben, was die Leiterin des Grünflächenamtes Spandau, Elke Hube, unlängst zu der Aussage veranlasste, Frühling gäbe es bald nur noch in Mitte.

Eine Bewegung, die sich die Rückeroberung urbaner Brachen zur Aufgabe gemacht hat, nennt sich „Guerilla Gardening“. Ihre Mitglieder sind meist nachts aktiv – mit Samenbomben, Gießkanne und Harke.

Eine dieser Gruppen nennt sich in Berlin „GartenPiraten“. Neu ist die Bewegung nicht. Was in New York in den siebziger Jahren als ziviler Ungehorsam begann, ist zu einer Form der Gestaltung des öffentlichen Raums geworden und nicht mehr nur auf Guerilla-Gardening-Gruppen beschränkt. Aber das wilde Gärtnern ruft seit Jahren auch kontroverse Diskussionen hervor.

Immer wieder gab es Streit vor allem um das Bepflanzen von Baumscheiben. Mittlerweile sei jedoch Ruhe in die Debatte eingekehrt, sagt Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Stadtrat für Bauwesen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Vor allem Treptow-Köpenick sträubte sich lange gegen die Pflanzungen und ließ sie immer wieder entfernen. Doch inzwischen scheint auch hier Frieden zu herrschen.

Angesichts leerer Kassen sehen Senat und Bezirke das gärtnerische Engagement wohl auch mit einigem Wohlwollen. Zwar ist das wilde Gärtnern eigentlich nicht erlaubt, da eine unsachgemäße Bepflanzung durchaus Schaden anrichten kann, indem dadurch beispielsweise den Bäumen zu viel Wasser entzogen wird. Aber „einer Gestaltung mit Augenmaß stehen wir positiv gegenüber“, sagt der Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Mathias Gille. Acht der zwölf Bezirksämter geben Broschüren heraus, in denen sie über das Gärtnern in der Stadt informieren. Die Informationen beziehen sich dabei zumeist auf die Bepflanzung von Baumscheiben.

Christian Hönig vom Bund Naturschutz hat die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit am Beet Menschen zusammenführt. Nach der Tulpenaktion bekam er viele Anfragen – die prompt zu neuen Gärtnergruppen führten.

PRO

Schon Peter Lustig wusste, dass Grün auch mal aus dem Asphalt sprießen muss. Nun ist es mit dem Grün in Berlin, das wird nun klar, leider nicht mehr sehr weit her: Immer stärker wird an Parks und Grünflächen gespart, immer weniger Geld wird für Pflanzen ausgegeben. Und plötzlich passiert etwas, von dem Städte und Gemeinden immer träumen: Die Bürger ergreifen selbst die Initiative. Sie nehmen Spaten und Harke zur Hand und säen Sonnenblumen, Tulpen und Primeln. In trauter Gemeinsamkeit pflegen alte wie junge Städter ein kleines Stück Grün in einer Baulücke oder kümmern sich liebevoll um die zwei Quadratmeter Erde vor ihrem Ladenlokal. Das Ergebnis setzt Farbtupfer in der Stadt, es ist bunt und kreativ – alles blüht und tut niemandem weh. Das haben auch die Ämter begriffen: Mittlerweile gibt es sogar schon Broschüren, in denen über das Gärtnern in Eigenregie informiert wird. Nun mag es sein, dass es noch immer ein paar unbelehrbare Meckerköpfe gibt, denen daran irgendwas nicht passt. Aber mal im Ernst: Wer auch nur einen Funken Phantasie und Lust am Frühling hat, kann einfach nichts gegen Blumen haben. Patricia Hecht

CONTRA

Bunt statt grau, na endlich! Der Frühling ist da. Jeder darf mal ein Stiefmütterchen ins karge Beet setzen. Das ist eine hübsche Idee, macht Spaß und ist lehrreich, vor allem für Kinder, die erstmals behutsam eine Pflanze anfassen. Angesagt – deshalb wohl der Name „Guerilla-Gardening“ – ist es sowieso, dem Bezirksamt die Harke zu zeigen. Nur: Pflanzen kann jeder, pflegen ist viel schwieriger. Man kann ruhig am Stadtrand fragen, wie viel Arbeit so ein Gärtchen macht. Oder man hilft dem Hausmeister, der im Sommer Gießkannen durch den Hof schleppt, damit die Sträucher nicht krepieren. Pflege kostet Geld, nicht ohne Grund klagen die Bezirksämter. Mit einer Knolle ist es nicht getan. Mal abgesehen davon, ob es so toll wäre, wenn jeder nach Tageslaune die Stadt gestalten könnte – „Wie wär’s mit Rhododendron auf dem Ernst-Reuter-Platz?“ – wäre es erst mal gut, der vorhandenen Natur zu helfen: Der Straßenbaum vorm Haus freut sich, wenn Hunde ihn nicht anpinkeln. Wenn es im Sommer viel Wasser gibt. Das erfordert Disziplin. Aber von diesem Engagement profitiert die Natur mehr als von trendiger Spontanvegetation. André Görke

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