Pro & Contra : Soll der Senat über die Nutzung von historischen Plätzen entscheiden?

Ulrich Zawatka-Gerlach

PRO



Der Bezirksbürgermeister Christian Hanke hat ja recht: Nichts wird besser, nur weil der Senat darüber entscheidet. Aber er hat eben nur teilweise recht. Denn es wird alles noch viel schlimmer, wenn gesamtstädtische und bezirkliche Interessen ständig aufeinanderprallen. Wenn die Verantwortlichkeiten für die Nutzung zentraler Plätze und Sehenswürdigkeiten Berlins im Nebel privater und öffentlicher Teilinteressen verschwimmen. Die Belange der ganzen Stadt müssen aus dem komplizierten, bürokratischen und manchmal sogar parteipolitisch überlagerten Abstimmungsprozess der zweistufigen Berliner Verwaltung herausgehalten werden. Der Pariser Platz, der Bebelplatz oder das Areal rund um die Siegessäule, um nur drei Beispiele zu nennen, signalisieren nicht nur den Touristen: Das ist Berlin! Und nicht Mitte oder sogar etwa nur Tiergarten. Im Übrigen gilt auch für andere innerstädtische Probleme: Klare Verantwortlichkeiten sind immer besser als kollektive Verantwortungslosigkeit und gegenseitige Schuldzuweisungen. Viele kommunale Angelegenheiten sind deshalb bei den zwölf Bezirken gut aufgehoben. Aber die historisch gewachsenen großen Plätze gehören der gesamten Stadt. Das muss der Senat allein richten. Und zwar gefälligst ordentlich. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA

Man kann sich das gut vorstellen: Im Prinzip wollen alle Repräsentanten, Würden- und Amtsträger der Bezirke und erst recht des Senats keinesfalls Schindluder treiben mit den schönen alten Plätzen, Denkmalen und historischen Gebäuden in der Mitte der Hauptstadt. Und doch hat der sonst auf Campingplätzen verbreitete Partyzelt-Stil gerade die schönsten Plätze erobert. Amts- und Würdenträger machen gern mal eine Ausnahme möglich. Wenn ein „Event“, von einem wichtigen Unternehmen oder gar Sponsor organisiert, eben unbedingt auf dem Pariser oder dem Bebelplatz stattfinden muss, um weithin zu leuchten, kann irgendein Stadtrat noch so große Bedenken haben. Deshalb würde sich an der teils ordinären, teils inflationären Nutzung öffentlicher Ort mit besonderem Image nichts ändern, wenn der Senat die Nutzungsrechte zu vergeben hätte. Offenbar hat gerade dieser Senat einiges dazu beigetragen, dass man beim Brandenburger Tor eher an Chinapfannen als an die deutsche Einheit denkt. Bleibt nur eine Lösung: Ein paar Abgeordnete mit Sinn für Würde und Stil müssen einen interfraktionellen Gesetzesantrag formulieren. Per Gesetz müssten Stadträume wie der Pariser oder der Bebelplatz von privater oder halbprivater Nutzung ausgeschlossen sein. Basta. Werner van Bebber

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar