PRO & Contra : Soll der Zoo zum Erlebnispark werden?

André Görke

PRO:



Bitte, ja, natürlich soll er das! Denn was uns bisher für einen ziemlich deftigen Eintrittspreis geboten wird, ist – pardon! – so bieder-muffig wie der Charme des alten West-Berlin.

Die Geschichte der alten Elefantenanlagen und Nilpferdgehege in allen Ehren, aber ein bisschen mehr darf sich der Zoo schon einfallen lassen, wenn er sich nicht irgendwann wundern will, warum eigentlich nur noch Nostalgiker kommen. Dazu gehört auch ein schickes Restaurant, das trotz der netten Angestellten heute so attraktiv wirkt wie die Kantine eines drögen Finanzamtes, zumindest im Herbst. Zoobesuche sollen Spaß machen und kein Zwang sein, nur weil das Kind einmal eine echte Giraffe sehen will. Die Tiere profitieren davon: Der Zoo kann sein Wissen über Artenschutz vermitteln, und bitte nicht nur in deutscher Landessprache. Falls es die Zoo-Chefs nicht bemerkt haben: Nach Berlin kommen verdammt viele Touristen. Und wenn Übersetzungen und schön beleuchtete Gebäude mehr Besucher anlocken, hat der Zoo mehr Einnahmen – Geld für die Tiere.

Ja, das Wörtchen Event klingt nach hektischem Rummel. Das ist Quatsch. Es geht um Events neben den Gehegen, und nicht um Events mit Tieren. Elefanten sollen nicht auf Bällen tanzen oder Hütchen aufsetzen. So etwas gehört in den Zirkus, nicht in den Zoo.André Görke

CONTRA:

Wie einfach und treffend man den Sinn eines Zoos beschreiben kann: Der Zoo habe „Tiere auszustellen, denen es gut gehen soll, und Naturschutz zu betreiben“. So sagt es Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, und fast wundert man sich, dass es in den kommerzbesoffenen Zeiten, in denen wir leben, so schöne gerade Thesen noch gibt. Allerdings wäre in dieser Richtung am Berliner Zoo noch einiges zu tun. Vielleicht ist das Faultier froh, stressfrei durch einen aufgeräumten Alltag zu kommen. Aber die Krokodile wirken, also ob der Abwurf einiger Fleischbatzen sie strukturell unterfordere. Depressive Menschenaffen, Nashörner, die aus Mangel an Partnerinnen herumliegende Felsblöcke besteigen, Adler, die am Fliegen gehindert werden: Was das Wohlfühlen angeht, stellt sich beim Berliner Zoo die Frage, ob es nicht Tiere gibt, die zum Eingesperrtwerden untauglich sind. Da sollen sie – Stichwort Event – systematisch belästigt werden? So weit gehen nicht mal die Amerikaner. In San Diego haben weitläufige Gehege, Pflanzen- und Höhlenreichtum Vorrang vor der Darbietung der Tiere. Nur mit Lamas dürfen Kinder kuscheln. Der Kommerz erschöpft sich in „merchandising shops“. Da kann der Zoodirektor nachrüsten: Knut aus Marmor, Stein und Eisen, um Sensationsfetischisten zu beruhigen. Werner van Bebber

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