PRO & Contra : Soll die Stadtautobahn verlängert werden?

Werner van Bebber

Pro:

Es geht nicht um eine Rennstrecke, es geht um ein Stück Stadtautobahn. Man kann mit dem Argument gegen deren Verlängerung sein, dass Straßenbau Verkehr erzeuge. Dann gilt im Umkehrschluss: Keine Straßen, kein Verkehr mehr, der die Leute nervt, nur noch Wanderer auf dem Weg zum Arbeitsplatz, von Neukölln etwa an den Fehrbelliner Platz, eine mittelalterlich-frühneuzeitliche Stimmung in Berlin ... Dabei gehören Stadtautobahnen vermutlich zu den Verkehrswegen, die unter modernen Bedingungen am wenigsten Stress und Ärger machen. Viele Meter hoch sind die Lärmschutzwände heutzutage, es liegt an der Polizei, dafür zu sorgen, dass ein Tempolimit eingehalten wird, jede innerstädtische Magistrale bringt mehr Gefahren mit sich als eine Stadtautobahn. Berlin ist nicht Los Angeles und soll es verkehrsmäßig auch gar nicht werden. Doch die Berliner Verkehrsplaner sind in ihrer skeptischen Haltung gegenüber den Autofahrern garantiert nicht versessen darauf, diesem Verkehrsmittel Vorteile zu verschaffen. Man kann daraus, dass dieser Senat für die Autobahnplanung etwas übrig hat, auf deren Sinn schließen. Und auch wenn es langsam aber sicher nicht mehr politisch korrekt ist, mit dem Auto zu fahren, sehen sich doch viele Leute darauf angewiesen. Autoverkehrsverhinderungspolitik hat nur Sinn, wenn es echte Alternativen gibt – auch für den Berliner Südosten. Werner van Bebber

Contra: Als die Autobahn geplant wurde, kostete Benzin die Hälfte dessen, was es heute kostet. Wenn sie fertig ist, wird der Sprit das Doppelte kosten – dazu bedarf es keiner prophetischen Gabe. Wer also braucht diesen neuen Straßenstummel? Eine echte Verbindung wird dieses Stückchen nämlich nie sein, für den Weiterbau bis Wedding – dann wäre der Stadtring geschlossen – wird das Geld niemals reichen.

Wozu jetzt also 443 Millionen Euro für drei Kilometer verbauen? Die Fantasielosigkeit der Verkehrsverwaltung ist blamabel, sie war es unter CDU-Ägide, sie ist es seit Jahren unter SPD-Führung. Die Stadtautobahn, so bequem sie für Autofahrer ist, zerreißt die Stadt, vor allem in Wilmersdorf und Schöneberg. Und ein alter Spruch gilt weiter: „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten.“ Das erleben wir seit zwei Monaten, seitdem die A 113 am Teltowkanal fertig ist: Zahllose auswärtige Brummis kürzen nun ihren Weg durch die City ab, statt über den Berliner Ring zu fahren. Es lärmt, es stinkt, es staut sich. Was macht der Senat? Er will neue Straßen und Autobahnen bauen.

Und übrigens: Bei den veranschlagten Millionen Baukosten dürfte es wohl kaum bleiben. So gut wie nie wurde in Berlin etwas für den veranschlagten Preis gebaut. Sollen jetzt also wieder wie in den autofixierten 60ern Häuser abgerissen, Menschen vertrieben, Kleingärten betoniert werden? Jörn Hasselmann

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