Pro & Contra : Soll Eisbär Knut ausgestopft werden?

Der Tod von Knut lässt nicht zuletzt die Frage zurück, wie an den berühmten Eisbären erinnert werden soll. Soll Knut ausgestopft werden? Ein Pro & Contra.

PRO

Das ist schon mal sicher. Alle künftigen Bücher über die jüngste Berliner Geschichte werden Knut gebührend würdigen. Umso besser, wenn er dann noch einen festen Platz erhält – am besten im Zoo. Dort könnten die Berliner ihn dann auch in Zukunft besuchen. Zwar „ausgestopft“ – wie der Volksmund despektierlich sagt –, aber doch verblüffend lebensecht. Immerhin hat die Kunst der Tierpräparation eine lange kulturhistorische Tradition. Davon kann sich überzeugen, wer Gorilla Bobby, den Berliner Liebling der 30er Jahre, im Museum für Naturkunde besucht. Oder den Flusspferdbullen Knautschke in der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Stiftung Stadtmuseum. Auch Antje, das legendäre Hamburger Walross, das mit all seiner Fülle als NDR-Logo in den Achtzigern über den Beckenrand wälzte, macht heute im Zoologischen Museum der Hansestadt eine gute Figur. Und schließlich sollte auch ein Beispiel aus den USA dem Zoo Mut machen, seinen Superstar möglichst originalgetreu für die Nachwelt zu erhalten. Jumbo war im späten 19. Jahrhundert eine weltweit populäre Elefantendame. Nach ihrem Tod in den USA hatte man sie gleichfalls präpariert.
Also: Knut forever. Es gibt genügend erfolgreiche Vorbilder, auch ausgestopfte. Der berühmte Eisbär könnte auf diese Weise wenigstens ein bisschen Freude bereiten. Christoph Stollowsky

CONTRA

Wir Menschen neigen dazu, die Tatsache zu verdrängen, dass alle irdischen Geschöpfe vergänglich sind. Das ist verständlich, denn es ist ja wirklich schwer zu ertragen, dass unsere Zeit auf dieser Welt, wie auch die der uns Nahestehenden, begrenzt ist. Das führt dazu, dass manche Menschen sich nach ihrem Ableben einfrieren lassen wollen, um eines fernen Tages vielleicht doch noch das ewige Leben erhalten zu können. Andere spenden ihren Leib Gunther von Hagens und seinem „Körperwelten“-Wanderzirkus, um plastiniert weiter zu existieren. Eine ähnliche Form der Todesverweigerung erleben wir jetzt im Fall von Knut. Der Eisbär ist für viele Menschen zur Projektionsfläche ihrer unerfüllten Bedürfnisse geworden, manche haben für ihn Gefühle wie für einen Freund entwickelt. Das Vorhaben, das Fell des Bären auszustopfen und ihn mithilfe eines Drahtgestells und zweier Glasaugen quasi unsterblich zu machen, ist allerdings ein hilfloser Versuch, Knut über seine irdische Zeit hinaus zu konservieren. Das ist so pietätlos wie die Leichenfledderei eines Gunther von Hagens. Mit gutem Grund schützt das deutsche Strafrecht die Totenruhe, wer sie verletzt, muss mit Geldbußen oder Gefängnis rechnen. Das Gesetz bezieht sich zwar nur auf Menschen. Aber auch einem zumindest in unserer Wahrnehmung vermenschlichten Bären sollten wir die letzte Ruhe gönnen. Lars von Törne

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