Pro & Contra : Soll es in der Innenstadt weniger Parkplätze geben?

PRO

Dieser Text entsteht mit freundlicher Unterstützung der Stadtentwicklungsverwaltung. Just am Freitag schickte die Senatorin eine Mitteilung herum, in der zu lesen ist, dass „sich in Berlin deutliche Zunahmen im Umweltverbund und gleichzeitig Rückgänge im Pkw- und Motorradverkehr“ zu beobachten seien. Berlin sei bundesweit spitze bei der Nutzung von Bus, Bahn, Fahrrad und den eigenen Füßen. Und: „Die Berlinerinnen und Berliner haben deutlich weniger Autos als in anderen Städten. Darüber hinaus werden nur 54 Prozent aller Pkw pro Tag genutzt.“ Wahrscheinlich wird der ADAC jetzt einwenden, dass die herumstehenden Autos erst recht Parkplätze brauchen. Und die anderen 46 Prozent sollen ja für eine halbe Milliarde Steuergeld ihre drei Autobahnkilometer zum Treptower Park spendiert bekommen. Im Ernst: Die typischen Aldi-Lidl-Netto-Parkplätze sind in der Regel steinerne Einöden mit ein paar wenigen Autos. Die Innenstadt ist zu schade für diese Platzverschwendung. Wenn die vom Senat geplanten Restriktionen hier und da auch den dritten Discounter verhindern, der neben zwei vorhandenen gebaut werden sollte, wäre das keine allzu bedauernswerte Nebenwirkung. Parkplätze werden in Wohnstraßen gebraucht, für Lieferanten und an Pendlerbahnhöfen. Dort sollen sie auch bleiben. Doch überall sonst sollte die stetig wachsende Mehrheit der Nicht- Autofahrer endlich den Platz bekommen, den sie verdient. Stefan Jacobs

CONTRA

Regulieren ist das Größte für diesen Senat, auch und gerade in der Verkehrspolitik. Man widmet sich mit Inbrunst dem Neuaufteilen von Fahrstreifen durch Markierungen und der Begrenzung des Auto-Verkehrs. Dass dieser mit Dienstwagen gut ausgestattete Senat keine autofahrerfreundliche Politik betreibt, ist völlig okay. Je weniger Menschen in einer Stadt mit dem Auto unterwegs sind, desto besser für alle. Doch vermitteln SPD, Linke und die verkehrspolitisch sozusagen freiwillig mitregierenden Grünen vielen Autofahrern mit Lust den Eindruck, man wolle sie loswerden.

Man könnte lange über das Politikverständnis einer Großstadtregierung sinnieren, deren Ideal der kiezfixierte Kleinbürger ist: Dinge des täglichen Bedarfs ersteht er, ausgestattet mit zwei Tragetaschen, beim nächsten Lebensmittelhändler, die Kinder besuchen die Schule um die Ecke, spielen beim nächsten Verein Fußball, und wenn das nicht geht, spielen sie mit dem Computer. Bevor man die gehbehinderte Oma zu Kaffee holt, spart man für ein Taxi, alles andere macht man mit dem Super-ÖPNV, aber besser nicht abends und nachts. Solche Idealbürger brauchen keine Einkaufszentren mit großen Parkplätzen. Aber Leute, die bezirksübergreifend unterwegs sind, finden es nicht schlecht, wenn man hier und da problemlos parken kann. Und sie trauen sogar den Einkaufscenter-Erbauern zu, dass sie ganz alleine berechnen können, wie viele Parkplätze sie ihren Kunden anbieten. Werner van Bebber

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