PRO & Contra : Soll es zur EM 2008 wieder eine große Fanmeile geben?

Holger Wild

Es war einmal… – ein Sommermärchen. Und könnte ja auch sein: Es wird einmal… – nämlich im Juni, bei der Fußball-EM.

Die Erwartungen sind hoch wie lange nicht, dass die deutsche Elf beim Turnier in Österreich und der Schweiz dieses Mal eine richtig gute Figur macht. Nach den Siegen dann wird auf dem Kurfürstendamm gefeiert; vorher aber auf der Straße des 17. Juni gefiebert. Und selbst wenn doch schon vor dem Finale was dazwischenkommen sollte (sagen wir ein erschummelter Elfmeter der Italiener): Dass auch Spiele anderer Mannschaften am unterhaltsamsten in der Gemeinschaft zu sehen sind, hat spätestens die Weltmeisterschaft 2006 auch nicht eingefleischten Fans gezeigt.

Das Pokalfinale 2007 – Nürnberg gegen Stuttgart, Regen und trotzdem bis zu 100 000 Fans auf dem 17. Juni – hat es nur noch einmal bekräftigt. Also: Wenn es jemanden gibt (und derer gibt es ja viele), der zur EM zwischen Brandenburger Tor und Yitzhak-Rabin-Straße eine Fußball-Party mit Großbildleinwänden veranstalten will – dann lasst uns dieses Fest feiern!

Bedenken hat es auch vor der WM viele schon gegeben – doch das Fanfest hat kein Verkehrschaos ausgelöst; wurde nicht von unseligen Trunkenbolden oder Kleinkriminellen beherrscht; und der Tiergarten lebt bekanntlich auch noch. Um es einfach mit Franz Beckenbauer zu sagen: „Geht’s raus und schaut’s Fußball!“ Holger Wild

Märchen werden selten wahr, und das Berliner Sommermärchen der Fußball-WM von 2006 lässt sich nicht wiederholen – jedenfalls nicht zur Europameisterschaft im nächsten Jahr. Denn für neue Märchenstunden auf einer großen Fanmeile über den Zeitraum des gesamten Wettbewerbs fehlen die nötigen Voraussetzungen.

Das Turnier findet nicht in Deutschland statt, darum werden diesmal auch nicht hundertausende fußballbegeisterte Touristen in Berlin einfallen, um vor dem Brandenburger Tor zu feiern und Fahnen zu schwenken. Und anders als während der WM werden die EM-Spiele erst ab 18 Uhr ausgetragen, darum wäre die Fanmeile allenfalls in den Abendstunden einen Besuch wert. Dafür dürfte sich der Aufwand einer drei Wochen langen Sperrung der Straße des 17. Juni wohl kaum lohnen.

Der Senat schätzt die Dimensionen der Begeisterung für die Fußball-EM deshalb ganz richtig ein: Eine Fanmeile light ab den Halbfinalspielen reicht aus. Wer größer plant, muss mindestens mit einer Enttäuschung rechnen. Der Ärger der Autofahrer, die eine überwiegend leere Fanmeile weiträumig umfahren müssen, ist ihm dagegen garantiert.

Ich will kein Spielverderber sein: Berlin soll sein Sommermärchen 2008 haben. Mit einer kleinen Fanmeile und vielen tausend Gastwirten, die sich freuen, dass auch vor ihren Leinwänden und Fernsehern jede Menge Fußballfans mitfiebern und feiern. Stephan Wiehler

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