Pro & Contra : Soll Grillen im Tiergarten verboten werden?

PRO

Zwei starke Argumente sprechen gegen das Grillen: Der Schaden an der Natur ist offensichtlich. Verbrannte Wiesen, unter Kohlenglut kränkelnde Bäume. Das ist das eine. Das andere sind die Kosten, sowohl für die Pflege, als auch für die Müllbeseitigung. Auf denen bleibt der Bezirk, ach was: bleiben wir Steuerzahler sitzen. Bekanntlich hat Berlin kein Geld für nichts mehr, warum sollen also hunderttausende Euro für das Privatvergnügen einiger Weniger ausgegeben werden?

Die ganze Diskussion über ein Verbot wäre übrigens obsolet, wenn es nicht derart überhand genommen hätte. Es sind nicht ein paar Leute, die ihren Tischgrill auf die Wiese stellen und ein paar Würstchen braten. Es sind hunderte (Groß-)Familien mit professionellem Equipment, die den Tiergarten – ein Gartendenkmal – in ein qualmendes Inferno verwandeln. Dass ausgerechnet auf den engen Wiesen zwischen Schloss Bellevue und der alten Kongresshalle gegrillt werden darf, ist ein weiteres Ärgernis.

Die Anspruchsmentalität mancher Leute ist beachtlich: Der Staat muss mir eine Wiese in zentralster Lage stellen, auf der ich für lau machen darf, was ich will. Fehlen nur noch Campingmobile italienischer Touristen und Bauwagen versprengter Linksalternativer zwischen den Bäumen. Jörn Hasselmann

CONTRA

Kein Touristenführer über Berlin ohne den Tipp, einmal durch die Grillschwaden der unvergleichlichen Berliner Multikulti-Welt im Tiergarten zu spazieren. Kein Sommerwochenende ohne Hunderte Familien, die sich’s auf den Wiesen entlang der John-Foster- Dulles-Allee mit Spielzeug, Kühlbox und Grill gemütlich machen. Das Brutzelparadies im Tiergarten hat sich zum Aushängeschild für Berlin entwickelt. Und zu einem der beliebtesten Treffs für alle Generationen, der die Vielfalt der Nationalitäten in unserer Stadt zeigt. Die Kehrseite sind Müllberge und angesengte Grasflecken. Das ist ärgerlich. Aber für dieses Problem sollte es eine intelligentere Lösung geben, als mit Hauswartsmentalität die Griller zu vertreiben. Offiziell begründet wird die Verbotsinitiative vor allem mit den hohen Kosten der Müllbeseitigung. Alle Appelle, den Abfall mitzunehmen, hätten nichts gebracht. Doch wie wurde appelliert? Zumeist bürokratisch, von oben herab. Mit Einfallsreichtum und mehr Engagement könnte man sicher einen Mentalitätswechsel erreichen. Am besten mit den Migrantenverbänden und auf der Linie der erfolgreichen BSR-Werbung. Wer Verbotsschilder aufstellt, schadet dem Flair von Berlin, schafft Langeweile – und nimmt den Migranten in der Stadt ein Stück vertrautes Berlin weg. Christoph Stollowsky

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