Pro & Contra : Soll Hertha BSC auf dem Flughafen Tempelhof bauen dürfen?

Herthas Umzug nach Tempelhof wäre gute Stadtentwicklungspolitik, sagt Matthias Oloew. Klaus Kurpjuweit hält das Vorhaben für Geldverschwendung.

Matthias Oloew

Stadtentwicklung ist immer abhängig von dem, was möglich ist. Wenn jetzt ein neues Stadion für Hertha im Gespräch ist, noch dazu auf dem Flugfeld in Tempelhof, dann ist es gute Stadtentwicklungspolitik, flexibel auf solche Gedankenspiele zu reagieren und die Option für eine Stadionplanung an dieser Stelle zu wahren. Planungsrechtlich dürfte es unproblematisch sein, denn eine als Gewerbegebiet ausgewiesene Fläche am Südrand des Terrains, direkt an der Stadtautobahn und dem S-Bahn-Südring gelegen, deckt eine Planung für ein Fußballstadion. Und bei genauem Hinsehen birgt der Standort überzeugende Argumente: Zwei Autobahnanschlussstellen, einen bestehenden (Tempelhof) und einen geplanten S-Bahnhof (Tempelhofer Feld) am Südring und die U-Bahn-Linie 6 sichern eine geradezu optimale Anbindung und Erreichbarkeit.

Heikel bei einem Stadionneubau ist immer die Frage des erwarteten Lärms. Nach Süden dürfte es wegen der Autobahn, die zwischen einem möglichen Stadion und den nächsten Wohnhäusern liegt, kaum ein Problem geben. Richtung Westen liegt der ebenfalls viel befahrene Tempelhofer Damm dazwischen, bleibt am Schluss noch die Frage, wie die ebenfalls in Tempelhof geplanten neuen Wohngebiete geschützt werden könnten. Denn zwischen dem Stadion und diesen Baugebieten läge nur das Wiesenmeer. Ein Problem, gewiss, aber kein unlösbares – nicht für eine kluge Stadtentwicklungspolitik. Matthias Oloew

Toll. Weil Hertha im Olympiastadion die Zuschauer fehlen, erwägen die Fußballer, ein neues Stadion zu bauen. So kann man mit dem Geld der Steuerzahler auch umgehen. Hertha hat sich am Ende nicht gewehrt, als es im Jahr 2000 darum ging, das ehrwürdige Stadion zu sanieren und zu modernisieren. Dass der Bund dafür den größten Teil der aufgebrachten 242 Millionen Euro nur nach einem Deal mit dem Senat aufgebracht hat, der dafür der umstrittenen Steuerreform der damaligen rot-grünen Bundesregierung zugestimmt hat, spielt keine Rolle. Die Geldgeber haben sich auch darauf verlassen, dass es im „neuen“ Olympiastadion nicht nur ein paar Spiele zur Weltmeisterschaft und einmal im Jahr ein Pokalendspiel geben wird, sondern dass auch regelmäßig Bundesligakicks stattfinden. Der Staat müsste auch wieder zahlen, wenn auf dem Flughafengelände in Tempelhof ein neues Stadion gebaut würde. Für den Massenverkehr müssten die Bahnhöfe der U- und S-Bahn ausgebaut werden, die Zu- und Abfahrten zur Stadtautobahn könnten in der bisherigen Form den Verkehr nicht aufnehmen, und der Tempelhofer Damm ist bereits heute oft verstopft. Und wenn Hertha meint, gute Stimmung gäbe es nur in einem reinen Fußballstadion, reicht ein Blick nach München. Dort ist die Atmosphäre auch im neuen Stadion nicht berauschend. Hertha sollte einfach besser spielen. Dann kommen Zuschauer und Stimmung fast von ganz allein – auch ins schöne Olympiastadion. Klaus Kurpjuweit

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben