Pro & Contra : Soll Hitzefrei an Berlins Schulen abgeschafft werden?

Berlin und Brandenburg haben als letzte Bundesländer noch "Hitzefrei" an Schulen. Soll die Regelung abgeschafft werden? Ein Pro und Contra.

Werner van Bebber/Moritz Honert

Pro:

Hitzefrei – das klingt so nett. Es klingt nach Draußensein und Schwimmen gehen. So mag das früher mal gewesen sein, doch in Berlin bedeutet Hitzefrei heute etwas anderes. Hitzefrei ist zum Problem geworden. Denn in Anbetracht dessen, was Schule in Berlin ohnehin nur unzureichend leistet, heißt Hitzefrei: noch mehr Unterrichtsausfall und weitere Besetzungsschwierigkeiten. Der Unterrichtsausfall, den so viele Eltern beklagen, wäre Grund genug, die Hitzefrei-Regelung abzuschaffen, wie sie in fast allen anderen Bundesländern schon abgeschafft worden ist. Wenn sich die Lehrer, was sinnvoll ist, auch in der hitzefreien Zeit um die Kinder kümmern müssen – von wegen „verlässliche Halbtagsschule –, dann ist die Regelung als solche sinnlos oder die verlässliche Halbtagsschule ist wetterbedingt unzuverlässig. Ob Kinder bei 25 Grad wirklich weniger aufnahmefähig und unterrichtslustig sind als bei 22 Grad, darf bezweifelt werden. Jeder Berliner Schulhof zeigt, dass zum Beispiel sieben- oder achtjährige Jungs bei brutalen 35 Grad in der Sonne Fußball spielen können. In jedem Freibad, in jedem Park kann man im Hochsommer sehen, dass Hitze Kinder nicht lähmt. Wenn, was verständlich wäre, die Lehrer unter der Hitze mehr leiden als die Kinder, dann wird ihnen niemand die Freiheit bestreiten, wetterbedingt den Unterricht mal für eine entspannte Stunde aus dem Klassenzimmer hinaus zu verlagern. Hitze gehört zum Leben. Werner van Bebber

Contra:
Hitze macht träge. Hitze macht müde. Hitze fördert das Verlangen nach kühlen Getränken und schattigen Plätzen. Was Hitze garantiert nicht tut, ist, Arbeitswut, Lerneifer oder Durchhaltevermögen zu steigern. Wer das nicht glauben will, der kann sich ja mal versuchsweise seine Steuerunterlagen zum Bearbeiten zwischen zwei Gängen in die Sauna mitnehmen. Viel Erfolg.

In südlichen Ländern, wo man im Gegensatz zu Deutschland bereits vor der globalen Klimaerwärmung Erfahrung mit hohen Temperaturen sammeln konnte, weiß man um die ermüdende Wirkung der Hitze schon lange. Ein kluger Mensch erfand aus diesem Grunde die Siesta. Die Erfahrung lehrte nämlich, dass in der Glut der Mittagshitze eh nichts Produktives auf die Beine gestellt, geschweige denn gelernt werden kann.

Wieso sollten nun bei gleichen Temperaturen für spanische Arbeiter andere Regeln gelten als für Berliner Schulkinder? Weil ohnehin schon zu viel Unterricht ausfällt, wie die FDP meint? Die Kinder einer Bekannten wurden im laufenden Jahr, in dem der Hochsommer gefühlt bereits Mitte März begann, nur ganze vier Mal eine Stunde früher nach Hause geschickt. Vier Mal! Also bitte. Und der versäumte Schulstoff? Meine Güte, gibt’s eben ein paar mehr Hausaufgaben und gut ist. Die kann man nämlich auch machen, wenn die Sonne wieder tiefer steht, und das Schwimmbad zu ist. Man ist doch nur einmal jung. In diesem Sinne: Hey! FDP! Leave them kids alone! Von Moritz Honert

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