PRO & Contra : Soll Inssan in Charlottenburg ein Moscheezentrum bauen dürfen?

Gerd Nowakowski

PRO



Jeder darf seine Meinung ändern, wenn es neue Argumente gibt. Das gilt auch für Charlottenburgs Baustadtrat Gröhler, der lange für ein Moscheezentrum war. Nun aber das Baurecht zu entdecken, das leider, leider kein Zentrum in einem Gewerbegebiet zulasse, ist unglaubwürdig. Abgesehen davon, ob dies überhaupt stichhaltig ist, weil es dazu andere Meinungen gibt – es ist ein vorgeschobenes Argument. Im Kern geht es darum, dass man dem Islamverein Inssan misstraut, es aber nicht klar ausspricht. So ist es Inssan schon in Neukölln ergangen. Das ist ein politischer Fehler: Erreicht wird damit einzig, dass sich solche Gruppierungen in Hinterhof-Moscheen zurückziehen – ohne Kontakt zur deutschen Gesellschaft. Wer seine Moschee dagegen sichtbar im Stadtbild platziert, muss sich auch der Debatte mit der Mehrheitsgesellschaft stellen. Wenn es Hinweise auf eine Gewaltbereitschaft und aktive Bekämpfung der westlichen Gesellschaft gibt, dann sind die Sicherheitsbehörden gefordert. Aber ist es an den Deutschen zu kritisieren, dass Inssan für eine konservative Form des Islam steht? Gleiches könnte auch Gruppen innerhalb der katholischen Kirche nachgesagt werden. Gewaltbereit sind sie damit noch lange nicht. Nur wer das Dialogangebot von Inssan ernst nimmt, kann bei der Integration vorankommen. Gerd Nowakowski

CONTRA

Was sind denn das für Kriterien, die Politiker zurzeit anführen, wenn es um den Moscheebau des umstrittenen Vereins Inssan geht? Für den sonst sehr überlegten Innensenator Körting reicht offenbar schon als Zustimmung die „Dialogbereitschaft“ dieses Vereins, obwohl er ihm zugleich „schwierige Verbindungen“ zur fundamentalistischen Muslimbruderschaft attestiert. Dialogbereit sind mit Verlaub auch rechtsextreme Parteien. Wie wäre es, sich vor Ausstellen eines demokratischen Freibriefes zunächst einmal die Kenntnisse von Verfassungsschützern anzuschauen und den Verein auf Verfassungstreue und Demokratieverständnis zu prüfen? Dialoge sollten die Politiker nicht nur regelmäßig mit Moscheevereinen führen, sondern auch in gleichem Maße mit Bürgern, die ernstzunehmende Bedenken vortragen. Kein Demokrat zweifelt das Grundgesetz an. Im Artikel 4 ist die Glaubensfreiheit verankert. Natürlich gilt die Religionsfreiheit auch für Muslime. Um ihre Religion auszuüben, sollen sie auch Moscheen – in Maßen – bauen. Nur darf die Frage erlaubt sein, ob wirklich jeder Verein seine Moschee bauen darf. Bei Inssan gibt es dafür noch zu viele offene Fragen. Außerdem ist eine Moschee noch lange keine Prämie für erfolgreiche Integration. Die fängt bei der Bildung an. Sabine Beikler

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