PRO & Contra : Soll man Kirchen lieber abreißen, als sie zu Moscheen zu machen?

Susanne Vieth-Entus

Ideal und Wirklichkeit liegen bekanntlich weit auseinander. Das Ideal liegt irgendwo bei Lessings Ringparabel. Es besagt, dass alle Religionen gleichwertig sind, solange sie nur gleichermaßen nach Menschlichkeit und Toleranz streben. Wenn dieses Ideal real wäre, könnte man gern Kirchen in Moscheen umwandeln und umgekehrt. Die Realität aber sieht anders aus – und entfernt sich seit dem 11. September 2001 immer mehr vom Ideal. Ganz konkret lässt sich das auch in Berlin zeigen. Gerade erst hat der Europäische Gerichtshof den Verkauf eines Grundstücks nachträglich untersagt, weil einer der Käufer, die dort längst eine Moschee errichten ließen, auf der UN-Terrorliste steht. Nun könnte man einwenden, dass die Christen doch einfach nur genau recherchieren müssten, bevor sie Muslimen eine Kirche verkaufen. Das aber ist blauäugig, denn welche Kirchengemeinde wäre in der Lage, die Verflechtungen der unzähligen islamischen Vereine und Gesellschaften zu durchschauen und etwaige Verbindungen zu islamistischen Organisationen? Nicht einmal LKA und CIA blicken da durch. Gut, könnten Wohlmeinende sagen: Dann verkaufen wir nur an Gemeinschaften, die wir genau kennen. Aber auch das wäre zu einfach. Denn wen kennt man schon so genau? Selbst die Islamische Föderation, die doch in Berlins Schulen Religionsunterricht erteilen darf, verkauft in ihren Moscheen Bücher einschlägiger Islamisten. Wer solchen Leuten Kirchen verkauft, liefert ihnen auch preiswert einen imposanten Rahmen für ihr rückschrittliches, intolerantes, frauenfeindliches Weltbild – und das Triumphgefühl dazu. Susanne Vieth-Entus

Und der Herr sprach: Wenn sie dir nun nicht glauben und nicht auf dich hören werden bei dem einen Zeichen, so werden sie dir doch glauben bei dem andern Zeichen. So steht es im Alten Testament. Bei den Zeichen, die die evangelische und katholische Kirche derzeit aussenden, fällt man beinahe vom Glauben ab. Die Christen-Lobbyisten wollen tatsächlich lieber Gotteshäuser mit der Abrissbirne zerstören, als sie einer muslimischen Gemeinde zu vermachen. Das erinnert auf fatale Weise an die furchtbare Kriegstaktik der „verbrannten Erde“, bei der Armeen auf dem Rückzug vor dem Feind alles zerstören, was dem Gegner in irgendeiner Weise nützen könnte. Nun leben wir leider in einer Zeit, in der immer wieder Glaubenskriege den Weltfrieden beeinträchtigen. Statt die Kluft zwischen zwei großen Weltreligionen durch plakative Aktionen gerade in einer multikulturellen Stadt wie Berlin noch zu verstärken, sollte die Kirchen lieber die Zeichen der Zeit erkennen: Es wäre absurd, Kirchen zwar an Supermärkte oder Banken zu verkaufen, nicht aber an seriöse Glaubensgemeinschaften, die auch für Werte von Menschenrechten und Gerechtigkeit eintreten – und so argumentieren selbst Kirchenvertreter. Natürlich dürfen Kirchen ihre Gotteshäuser nicht dubiosen, extremistischen Vereinen vermachen. Auch anerkannte Gemeinschaften muss man zuvor gründlich prüfen. Doch generell misstrauisch zu sein, widerspricht dem Gebot der Nächstenliebe. Ob der Schöpfer nun Gott genannt wird oder Allah: Glaube ist für Menschen, egal welcher Religion, gleichsam Halt, Orientierung, Lebenssinn. Es würde ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Annette Kögel

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