Berlin : Pro & Contra: Soll Tempelhof für Privatflieger offen gehalten werden?

Rainer W. During

Pro

Der Zentralflughafen ist ein Pfund, mit dem Berlin wuchern kann. Was man andernorts erst erfinden musste, ist hier seit 78 Jahren vorhanden. Gerade für Geschäftsleute, denen Zeit im wahrsten Sinn des Wortes Geld bedeutet, ist ein citynaher Airport von entscheidendem Vorteil. Die Parade der täglich auf dem Vorfeld geparkten Business-Jets aus aller Welt unterstreicht: Tempelhof hat auch zukünftig eine Existenzberechtigung.

Zweifelsfrei ist es notwendig, den bisher auf drei Flughäfen verteilten Linien- und Charterflugverkehr an einem Standort zu bündeln. Nur so lassen sich Umsteigepassagiere generieren, die dringend benötigt werden, um die für die deutsche Hauptstadt so wichtigen Langstreckenverbindungen wirtschaftlich tragbar zu machen. Doch wäre es ein fataler Irrtum zu glauben, dass sich im eigenen Jet anreisende, internationale Spitzenmanager in Schönefeld in einen Airport-Express setzen, um zusammen mit ein paar hundert weiteren Reisenden ihrer Firmenzentrale entgegen zu rollen.

Erfahrungen anderer Metropolen zeigen, wie sinnvoll der Betrieb eines stadtnahen Ergänzungsflughafens für die so genannte General Aviation sein kann. Aufstrebende, aber entfernte Umlandplätze wie Schönhagen oder Strausberg können da keine ernstzunehmende Alternative für Tempelhof sein.

Der gewaltige Gebäudekomplex des Flughafens bietet außerdem die einmalige Chance zur Ansiedlung von speziellen Gewerbe- und Dienstleistungsbranchen, die auf schnelle Verkehrsverbindungen angewiesenen sind. Wenn Berlin eine Wirtschaftsmetropole sein und bleiben will, kann es auf den Zentralflughafen Tempelhof nicht verzichten. Rainer W. During

Contra

Nein! Nein! Nein! Berlin braucht keinen Flughafen mitten in der Stadt, den nur wenige Privat- und Geschäftsflieger nutzen, unter dem aber viele Anwohner leiden. Noch mehr Menschen würde zudem damit eine wertvolle innerstädtische Freifläche vorenthalten, zu der das Tempelhofer Feld wieder werden könnte. Dass der allgemeine Flugbetrieb jetzt verlängert werden soll, bis der Flughafen in Schönefeld ausgebaut ist, lässt sich trotz aller Bedenken gerade noch rechtfertigen.

Wer unbedingt mit einer Privatmaschine fliegen muss, findet auf dem internationalen Flughafen in Schönefeld einen Platz. Dort können sich auch die Unternehmen ansiedeln, die wirklich dringend auf eine Piste vor der Bürotür angewiesen sind. Wer aber nur zum Spaß abheben will, kann auch von einem Landeplatz im Umland aus starten. Für Hobbypiloten ist Tempelhof zu wertvoll.

Zudem hat noch keiner der Befürworter genau sagen können, wie ein solcher "Privatflughafen" finanziert werden soll. Die Gebühren, die in Tempelhof sogar geringer sein sollen als in Schönefeld, werden dafür nicht reichen. Bereits heute macht Tempelhof Millionenverluste. Und die privaten Firmen, die den direkten Pistenanschluss haben wollen, stehen bisher nicht Schlange. Ein großer Teil des riesigen Flughafengebäudes lässt sich bis heute nicht vermieten. Ein Irrwitz ist die Vorstellung, dass die öffentliche Hand den "Privatflughafen" subventioniert.

Wenn der Airport-Express auf der Schiene kommt, dauert die Fahrt von Schönefeld ins Zentrum nicht viel länger als der Weg von Tempelhof aus mit dem Auto. Sogar bis zum Potsdamer Platz. Der einzige Fluglärm in der Stadt, der sich rechtfertigen lässt, ist der Krach des Rettungshubschraubers. Mehr aber nicht. Klaus Kurpjuweit

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