• Pro & Contra: Sollen an Berliner Schulen muslimische Gebetsräume eingerichtet werden?

Pro & Contra : Sollen an Berliner Schulen muslimische Gebetsräume eingerichtet werden?

Der Streit um muslimische Gebetsräume an Schulen ist nicht nur ein juristischer. Und er betrifft ganz Deutschland. Was dafür und was dagegen spricht - zwei Meinungen.

PRO


Manchmal sind es die kleinen Dinge, die unser Grundgesetz groß machen. Konkreter Fall: Ein muslimischer Junge möchte seine Religion den Regeln entsprechend ausüben. Dazu gehört es, auch mittags ein paar Minuten zu beten. Also braucht er in der Schulpause ein ruhiges Plätzchen. Eine Selbstverständlichkeit, die da in unserem Rechtsstaat eingefordert wird: Schließlich heißt es in Artikel 3: Niemand darf wegen seines Glaubens benachteiligt oder bevorzugt werden. Und in Artikel 4: Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. Doch jetzt meinen einige Mitbürger, das Grundgesetz solle nicht mehr für alle gelten. Wenn ein Gebetsteppich ausgerollt wird, ist Schluss mit lustig. Gibt es plötzlich einen Glauben erster und zweiter Klasse? Hat, wer nicht Christ ist, selbst schuld? Nein, unsere Grundrechte dürfen nicht in Stammtischmanier nach Lust und Laune zugebilligt werden. Man beachte: Es geht hier nicht ums Missionieren. Das Gebet ist ausschließlich ein individueller, persönlicher Akt. Ein Gebetsraum beeinträchtigt also nicht das Neutralitätsgebot des Staates in Glaubensdingen. Und übrigens: Wer wirklich Integration will, muss den Menschen auch die Möglichkeit geben, hier in Würde zu leben. Ein Rechtsstaat kann sich das locker leisten – siehe Artikel 1 GG. Roland Koch

CONTRA
Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob Berliner Schülern der Verzicht auf den Religionsunterricht guttut. Schulpolitische Leitlinie ist es, erkennbar am Fach „Ethik“, Religion im Sinne des persönlichen Bekenntnisses aus den Schulen herauszuhalten. Wer je den für „Ethik“ streitenden Sozialdemokraten und Linksparteipolitikern zuhören durfte, dem zeigte ihr Eifer, wie wenig sie mit dem Christentum, der christlichen Tradition anfangen können. Sei es drum – Berlin ist in dieser Hinsicht eine kühle Stadt. Wem das nicht passt, der muss nach Köln oder Rom ziehen – die sehr bewusste Berliner Diesseitigkeit, der atheistische Zug hat seinen spröden Charme. Um so bizarrer ist, dass ein paar Verwaltungsrichter ausgerechnet der muslimischen Religion einen Sonderstatus in den Schulen zugestehen. Nicht wenige islamkundige Leute weisen daraufhin, dass der missionarische Zug dieser Religion noch immer oder jetzt wieder sehr ausgeprägt ist. Da feiert der Linkspartei-Bildungspolitiker Steffen Zillich das Urteil in Sachen „Schulgebet“ als Entscheidung für Religionsfreiheit. Wie ist es mit der Religionsfreiheit, wenn sich ein Schüler zur Transzendentalen Meditation bekennt und auf dem Schulgelände das yogische Fliegen praktizieren will? Wenn Schule neutral sein soll, dann konsequent für alle. Werner van Bebber

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