Pro & Contra : Sollen Anzeigen gegen Hundebesitzer belohnt werden?

Eine 20-Euro-Prämie für Anzeige gegen Hundebesitzer - im fränkischen Rehau funktioniert es. Jetzt könnte das Modell ein Vorbild für Berlin werden: Ein Pro & Contra.

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BerlinPRO



Spitzel, Blockwart, Denunziant – das ist der in Deutschland übliche Reflex, wenn es Initiativen wie diese gibt. Klar, aber lasst uns bitte mal kurz nachdenken, um was und wen es hier eigentlich geht. Die Kotprämie richtet sich gegen jene, die ihre Freiheit auf Kosten der Mehrheit ausleben. Also weg mit den Vorurteilen – auch mit diesem: Halter von Hunden kümmern sich grundsätzlich nicht um deren Hinterlassenschaft. Das ist falsch. Die Mehrheit der Häufchen stammt von einer kleinen, gleichgültigen Minderheit. Und die verteidigt ihre Ignoranz sozialer Regeln mit der absurden Forderung nach Toleranz. Aber muss man deren Übergriff wirklich tolerieren? Kot im Sandkasten, Kot unter den Schuhen, Kot an der Kleidung – so gelangen Viren und Bakterien in Umlauf und auch Würmer, die besonders oft Kinder befallen. Dann müssen Kleider, Decken, Puppen, das ganze Inventar in die Wäsche oder Reinigung. Die Kinder müssen ekligen Saft schlucken, die Eltern Pillen mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Übelkeit. Und diese Medizin zahlt keine Krankenkasse. Also bitte, Leute – seit Jahren betteln wir um Rücksicht, es gibt Mülleimer und Automaten mit Kothandschuhen an jedem Laternenpfahl. Da das aber alles nichts nutzt, brauchen wir mehr Sozialkontrolle. Und weil wir in einer Marktwirtschaft leben, darf man Fürsorge für die schweigende Mehrheit auch belohnen. Her mit der Kotprämie! Ralf Schönball

CONTRA

Es ist einfach nur eklig! Hundebesitzer, die keine Verantwortung für die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde übernehmen, sind unsozial und gehören bestraft. Mit Ordnungsgeld sowieso, aber besser noch mit fantasievollen Formen der sozialen Ächtung. Es ist auch absolut in Ordnung, wenn Bürger jene Hundebesitzer den Behörden melden, die immer wieder zeigen, dass ihnen Wohlergehen und Gesundheit ihrer Mitmenschen egal sind. Das gilt übrigens nicht nur für die Häufchen, sondern auch für sonstige Belästigungen durch frei laufende Hunde. Wie oft hören Kinder, Jogger oder Radfahrer, schon am Boden liegend, zwei Tatzen auf den Schultern und eine sabbernde Zunge im Gesicht, statt einer Entschuldigung nur den blöden Spruch: „Der tut doch nichts!“ Deshalb ist nichts gegen eine strengere Bestrafung aller Arten von Nötigung – und Tretminen gehören dazu – durch Hunde beziehungsweise Hundehalter einzuwenden. Etwas ganz anderes aber ist es, für das Ansch… – Entschuldigung: Anzeigen – von Hundehaltern Prämien zu zahlen. Nicht nur, weil es die Heerscharen von Privatspitzeln, die jetzt schon hinter den Gardinen Falschparkern auflauern, noch vergrößern würde. Sondern vor allem, weil es in eine Gesellschaft führt, in der Zivilcourage, bürgerliches Engagement und Rechtsbewusstsein durch Judaslohn ersetzt werden. Und das ist noch ekliger als die Hundehaufen. Sandra Dassler

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